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Aus einem Reisebericht:

Während der nächsten beiden Tage unserer Reise rückten die Berge beiderseits des Flußes immer weiter zusammen; dieser lag nun den größten Teil des Tags im Schatten der Ruika-Berge. Nur noch wenige Sonnenstrahlen finden in diesem Abschnitt des Ruiji zu Mittag ihren Weg hinab zum Talboden, empfindlich kühl ist es hier selbst im Sommer.
Rings um unsere Schiffe erhoben sich bald erneut gewaltige Klippen, die mir noch höher erschienen als die zuvor schon durchfahrenen. Immer enger und enger rückten sie zusammen, als wollten sie uns nun endgültig den Weg versperren. Hätte ich es nicht anders gewusst, ich hätte geglaubt, dass unsere Reise hier enden müsse. Für diesen Tag tat sie es denn auch: Wieder einmal befand der Kapitän, für heute sei es zu spät geworden, noch die kommenden Strudel zu durchfahren. Eine von den Frühjahrshochwassern ausgewaschene, ruhige Bucht am machairischen Ufer war unser Ankerplatz, deren Kiesstrand von einigen letzten Sonnenstrahlen, die sich von Peristera her durch die Schlucht geschmuggelt hatten, erleuchtet wurde.
Am anderen Morgen brachen wir etwas später auf als die letzten Tage, nur das kleinste Segel am Hauptmast gesetzt.
Bald schon wurde es wieder eingeholt, denn von Meile zu Meile strömt der Ruiji nun immer schneller und zieht das angesichts dieser Naturgewalten zerbrechlich wirkende Schiff mit sich, auf die im frühen Dämmerlicht dunkelblau erscheinenden Felsen der Ruikas zu. Schon wird der Schaum zu ihren Füßen sichtbar. Ängstlich starrt der unerfahrene Passagier dem scheinbar sicheren Untergang entgangen, doch die erfahrenen Bootsleute bleiben ruhig und halten ihr Gefährt in der Mitte der Strömung. Bald ist das Geräusch des Flußes so laut, dass jegliche Verständigung nur noch über Handzeichen erfolgen kann. Und immer noch rücken die Felsen näher, und die lichtlose Dämmerung nimmt zu.
Da bricht plötzlich ein Sonnenstrahl von Phialae her durch die Schatten, und mit dem Ruiji wenden sich unsere Boote ihm entgegen. Wir sind in einer weiten Schlucht, umgeben von Klippen, deren oberes Ende von hier unten nicht einzusehen ist. Die Wasser des Ruijis füllen diesen Kanal von Wand zu Wand, ihr Rauschen übertönt jedes andere Geräusch. Weit über uns ist ein blauer Fleck – der Himmel? Eine Stunde rasen wir mit dem Strom zwischen den steilen Wänden hindurch, da verstärkt sich der Schatten über uns noch einmal, der blaue Fleck wird zu einem dünnen blauen Strich, als sich die Wände weit über uns zusammen schwingen, ohne sich wirklich ganz zu berühren. Und einen Augenblick lang verschwindet sogar dieser dünne Strich, plötzlich ist es stockdunkel, wenn auch nur für Sekunden.
Die Zerbrochene Brücke, so lerne ich später, nennen die Einheimischen diese Stelle. Und angeblich führe wirklich eine Art Straße von beiden Seiten – Meilen über uns – durch die Berge an sie heran. Die Lücke aber, durch die ich von unten nicht einmal einen Federstrich Himmel erkennen konnte, sei in Wahrheit einige Dutzend Schritte breit.
Dann sind wir auch schon hindurch – die Moyta-Berge im Machairas weichen zurück, ein enges Talbecken öffnet sich: die Adlerkluft, wie mir der Kapitän verständlich machen kann, nachdem der Geräuschpegel nun wieder gefallen ist.