FANDOM


Die Vernichtung der ANTI durch ein Bündniss der meisten aktiven Reiche Coriganis ist ausführlich in dem Werk "Die Geschichte der ANTI-Kriege" beschrieben.


Ther Tauron bei Larspirr Bearbeiten

- Untergang der ANTI

„Was?“, unwillig stieß der Erzmagier die fast leblose und ziemlich unbekleidete Gestalt einer junger Frau von seinem Lager. Widerwillig blickte er auf seine Hände, die Arme und den nackten Oberkörper. Er hasste getrocknetes Blut! So erregend es war, den warmen Lebenssaft während seiner ... Vergnügungen zu spüren, so groß war seine Abneigung wenn die Zeit der Lust vergangen war.

Verärgert blickte er auf den riesigen – riesig in den Maßstäben der Menschen, nicht jedoch in den Augen dieser Wesen selbst – Wergol, der es gewagt hatte, ihn, den Erzmagier, in seinem leichten Schlummer zu stören. Dieser verzog keine Miene. „Herr, die Schlacht tobt schon viele Stunden. Der Commodore lässt fragen, wann ihr euch endlich dazu bequemen wollt, daran teilzunehmen. Der Zauber, mit dem ihr die Feuerwand gewirkt habt, liegt schon eine ganze Weile zurück. Nun wogt die Schlacht hin und her“

„So,“ Ther Tauron zog das Wort in die Länge, „tut sie das? Und mit welchem Ergebnis?“ Er richtete sich auf und legte einen leichten Morgenmantel aus schwarzer Seide an, während er von seinem Lager aufstand. Die magischen Zeichen schimmerten silbern auf dem Gewand während der Erzmagier durch den Raum schritt.

„Der Commodore lässt euch ausrichten, ihr hättet recht gehabt. Der Ossore ist ein elender Verräter, seine Schiffe beschießen die ANTIA, seine Krieger greifen an.“ Der Wergol blieb auch bei diesen Worten unbewegt. Auf den Erzmagier hatten sie dagegen eine überraschende Wirkung.

„Was!?“, schrie er auf, „Was sagst du da? Dieser Sohn einer räudigen Hündin hat uns verraten? Beim Dunkelmond, als ob ich es nicht geahnt hätte!“ Ther begann im Raum auf und ab zu gehen, begleitete seine Rede mit wilden Gesten. „Ich habe es euch doch gesagt, oh ihr ehrenwerten Ratsherren! Aber habt ihr mir geglaubt? Nein, die ANTI ist unbesiegbar und ihre Führung ist - unfehlbar! Ob mit oder ohne den Piraten, wir werden siegen! Hah! Natürlich werden wir das!“, seine Rede troff geradezu vor Ironie, „ob 500 Schiffe der Ossoren für uns oder 1 000 gegen uns stehen, wir werden natürlich siegen! Welch Wahnsinn! Welche Verblendung! Oh Vater Seth, hättest du diesen Verblendeten nicht Einsicht schenken können?“

Der Erzmagier wirbelte herum, seine Hand deutete wie anklagend auf den Wergol. „Warum habt ihr mir das nicht früher gemeldet?“ Der Wergol zuckte gleichmütig die Schultern, er war die Ausbrüche seines Herrn gewohnt. „Ihr habt uns befohlen, euch nicht zu stören. Hören heißt gehorchen.“ Ther fluchte leise vor sich hin.

„Beil soll sämtliche Wergols zu den Waffen rufen! Die Dragols sollen klargemacht werden. Und... er soll hierher kommen! Und sag den Sklavinnen sie sollen ... ach, Seth schicke euch Skorpione,“ der Erzmagier schnaubte vor Wut und dem Verlangen nach Rache, „ die Zeit, sie läuft mir unter den Händen davon. Die Sklavinnen sollen ein Bad vorbereiten und meine schwarz-silberne Kampfrüstung mit der Maske. Und macht Feuerfresser klar. Los! Geh schon!“ Da fiel sein Blick auf die nackte Gestalt neben seinem Lager, die begonnen hatte, sich schwach zu regen. „Halt!“, rief er mit scharfer Stimme den Wergol zurück. „Schaff das weg!“ Er deutete angewidert auf die Sklavin, bevor er sich abwandte und in einem Nebenzimmer verschwand.

Als Beil, Führer der Leibwache und einer der besten Kämpfer Wergolosts, etwas später die Räume seines Herrn betrat, ließ sich dieser nach einem hastigen Bad gerade von zwei Sklavinnen, deren Nacktheit nur mit Rouge bedeckt war (Ther Tauron duldete nur Sklavinnen in seinen Gemächern, da er Sklaven und männlichem Gesinde nicht traute und Wergols sich nicht als Bedienstete eigneten), ankleiden. Stiefel und eine eng anliegende Hose aus feinstem Leder waren so schwarz, wie das feinmaschige Kettenhemd, welches der Erzmagier überstreifte. Auch die kostbare Tunika war in dieser Farbe gehalten, allerdings zierten sie mannigfaltige silberne Zeichen, magische Runen, wie es hieß. Ther zog sich lederne Handschuhe über, während die eine Sklavin ihm einen schwarzen Mantel um die Schultern legte und ihn am Hals mit einer silbernen Schließe befestigte. Das zweite Mädchen präsentierte dem Erzmagier eine juwelenverzierte Tiermaske, wie er sie in den letzten Monden zu tragen pflegte und die das Gesicht vollständig bedecken würde. Sie schien aus einem fremdartigen schwarzen Metall mit tiefblauen Saphiren als Augen und war in form eines Dragolschädels mit gefletschten Zähnen geschmiedet. Mit einer Handbewegung wies der Erzmagier sie aber noch zurück, er wandte sich der anderen Sklavin zu. „Lauf zum Commodore der ANTI.“, trug er dem Mädchen auf. „Sag ihm, der Erzmagier Wergolosts wird in Kürze in die Schlacht eingreifen.“

„Ja, Meister.“ Das Mädchen erhob sich aus der knienden Position, die sie eingenommen hatte, nachdem sie mit dem Ankleiden fertig war, und verließ rückwärts den Raum. Ther Tauron starrte auf die Maske, und ein fahriges Lächeln spielte auf seinen Lippen, während seine Augen flackerten. Rasch griff er in eine kleine Gürteltasche, entnahm ihr ein Pulver, das er zum Mund führte und dann auf der Zunge zergehen ließ. Dann atmete er tief ein, richtete den Blick zur Decke des Gemachs und ballte die Finger zu Fäusten. „Vater Seth, gib mir Kraft und steh mir bei, im Namen der Dunkelheit.“ Dann wandte er sich dem Führer seiner Leibwache zu.

„Nun, ist bei euch Wergols alles klar, seit ihr bereit?“, fragte er und musterte die Gestalt, die ihm von allen Wergols wohl am nächsten stand.

„Wir brennen auf den Kampf und werden in den Augen Seths bestehen oder untergehen!“ bekräftigte Beil. „Allerdings...“, er zögerte. „Seid vorsichtig, Herr. Feuerfresser wollte dreimal nicht dulden, dass ihm sein Geschirr angelegt werden sollte. Manche halten das für ein übles Omen. Ihr solltet... „

„Nein.“, unterbrach ihn der Erzmagier. „Nein, ich werde weder zurückbleiben noch... „ , er ließ unausgesprochen, was er sagen wollte. Beil nickte und ein gefährliches Grinsen überzog sein narbiges Wergolgesicht. „Das haben die Jungs auch von euch erwartet! Im Namen Seths werden wir siegen!“

Wieder grinste der Wergol und griff hinter sich. Ein, in seinen Händen, zierlich aussehendes Schlachtbeil mit lanzengleicher Spitze, ganz aus schwarzem Metall gefertigt, nahm er von der Wand und hielt es dem Erzmagier hin. Dieser nickte kurz, griff sich die Maske und zog sie über. Dann nahm er die Waffe entgegen. Beil hatte ihn viel gelehrt im Umgang mit dieser Waffe und trotzdem – sein Metier war die Magie. Nun, den ‚Jungs’ (Ther verkniff sich ein Lächeln bei diesem Gedanken) würde es gefallen, ihn damit zu sehen. Es wäre gut für ihren Kampfgeist. Wieder nickte er dem Führer seiner Leibwache zu und folgte ihm durch die dunklen Gänge zu den Start- und Landeplätzen der Dragols.

Wie immer war es ein berauschendes Gefühl, auf dem Rücken eines Dragol durch die Lüfte zu fliegen. Selbst der Blaue Lotus konnte dem nicht nahe kommen. Und der Schwarze – nun ja, er hatte eine andere Art von Wirkung. Doch nur kurz gingen diese Gedanken durch den Kopf des Erzmagiers.

Ther Tauron hatte die Dragolreiter ausgeschickt, um das Flaggschiff des ossorischen Piratenkönigs zu finden. Und es hatte nicht sehr lange gedauert, es zu entdecken. Darauf hatte sich der Erzmagier auf seinen persönlichen Dragol – Feuerfresser – geschwungen, hatte seine Elitewergols, seine ergebene Leibwache, um sich gesammelt und auch die anderen beiden Staffeln der Dragolreiter zu sich befohlen. Der Befehl war klar. Das ossorische Flaggschiff sollte genommen, die Besatzung niedergehauen werden. Den Verräterkönig sollte ein grausames Schicksal erwarten. Doch hier wurden Ther’s Befehle widersprüchlich. Zuerst sollte er einfach nur getötet werden, dann wollte ihn der Erzmagier persönlich – und auf magische Weise – zu Tode bringen. Nun hieß es wieder, Rhul Olodovo sollte unter allen Umständen gefangengenommen werden. Was bewog den mächtigen Magierfürsten der Wergols, seine Meinung so oft zu ändern? An den Start- und Landeplattformen der Dragols hatte noch relative Ruhe geherrscht, wenig bekam man hier von der wogenden Schlacht zu sehen. Rauchwolken in der Ferne, ab und an die Entladungen der kämpfenden Magie, ein fernes, undefinierbares Geschrei, Gebrüll.

Gerade als sich der Erzmagier auf dem Rücken seines Dragols in den Himmel schwingen wollte, spürten seine feinen Sinne, wie magische Energien nach ihm griffen, besser nach ihm suchten. Doch kostete es ihn kaum besondere Mühe, diese Energien abzuwehren und nur kurz stellte er sich die Frage, ob die Verursacher dieser Energien eine Gefahr für ihn darstellen mochten.

Dann schlugen Hunderte von ledrigen Schwingenpaaren die Luft und die mächtigen Wergols auf ihren gefürchteten Reittieren erhoben sich in den Himmel Coriganis.

Der Weg zu den ossorischen Schiffen war nur kurz, doch von der linken Flanke stürzten sich plötzlich Hunderte von Riesenraben aus überhöhter Position und aus der Richtung der Sonne auf die angreifenden Dragolstaffeln. Riesenraben! Die heiligen Vögel des Artan. Ther Tauron hatte es geahnt, ja gewusst. Doch immer hatte er den Gedanken, gegen die Riesenraben des Gottes der Ordnung kämpfen zu müssen, verdrängt. Jetzt ging das nicht mehr. Hinter der undurchschaubaren Maske stieß er einen ärgerlichen Fluch aus. Also war auch Digna Livsandar anwesend. Auch das war eigentlich eine Tatsache gewesen, doch auch diese hatte er verdrängt. Hatte angenommen, der Höchstpriester Artans auf Myra würde sich irgendwo im Hintergrund halten, schützende, stärkende Magie einsetzen. Doch jetzt... war nicht viel mehr zu befürchten, dass er sich bei den Heiligen Tieren seines Gottes aufhalten würde? Das er einer der Reiter war, die auf den Rücken der Raben zu erkennen waren?

„Seths Feuer verbrenne euch alle!“, fluchte der Erzmagier wie ein gemeiner Tempeldiener. Aber es half nichts, er gab das Zeichen, den Angriff auf die ossorischen Schiffe abzubrechen. Viel wichtiger war es nun geworden, diese neue Gefahr abzuwehren.

Der nun ausbrechende Kampf am Himmel Coriganis kannte kein Beispiel in der jüngeren Vergangenheit. Hunderte von Dragols und Riesenraben, ja Tausende von ihnen, bekämpften sich nun in der Luft. Und so auch ihre Reiter, die sich mit Fernwaffen vom Wurfspeer bis zum Pfeil bekämpften. Ja, die erfahrenen Wergols nutzen selbst im Luftkampf ihre mächtigen Schlachtbeile. Über unzählige Meilen zogen sich die Kämpfe dahin. Oftmals flogen kleinere Gruppen zwei, drei Meilen nebeneinander her, bewarfen sich mit Wurfspeeren, beschossen sich mit Pfeilen, bis ein Reiter tot vom Rücken seines Tieres fiel oder bis ein Dragol mit zerfetzten Flughäuten oder ein Rabe mit blutverschmiertem Gefieder zu Boden stürzte. Der Sieger kehrte dann, meist auch nicht unverletzt, zum Kern der Schlacht zurück, um sein Glück und Können erneut zu versuchen.

An Größe und Kraft waren sowohl Dragols als auch Wergols ihren Gegnern bei weitem überlegen. Doch zeichnete die Reiter der göttlichen Tiere des Artan eine perfekte Taktik und eine ungeheure Motivation aus, während die Raben den Flugechsen in der Flugkunst überlegen zu sein schienen.

Über zwei Tage zogen sich die Luftkämpfe dahin. Die mächtigen Wergols waren mit ihren Tieren ständig in der Luft und zeigten so ihre Stärke und Kraft. Ther Tauron, als Mensch nicht mit deren Stärke ausgezeichnet, kehrte mehrmals zu kurzen Ruhepausen auf die ANTIA zurück, doch waren die Nachrichten die er dort über den Fortgang der Schlacht vernahm, nicht dazu angetan, ihn freudig zu stimmen. So ergänzte er lediglich seine Vorräte an bestimmten Substanzen, nahm gewisse Mittel zur Stärkung des Geistes und des Körpers zu sich und schwang sich wieder auf Feuerfresser, um seine Dragolreiter zum Sieg zu führen.

Doch danach sah es nicht aus, weder am Himmel, noch auf dem Meer schien der Sieg der ANTI und der Wergols in erreichbarer Nähe. Seine Truppen hatten empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Zwar waren auch viele Raben für immer aus den Lüften verschwunden, doch... der Ruf „Holt Digna vom Himmel!“ hatte bisher keinen Erfolg gezeigt. Dutzende von Rabenkämpfern hatten sich zwischen den Höchstpriester und angreifende Wergols geworfen, wenn es letzteren gelungen war, den Aufenthaltsort des Höchtspriesters zu entdecken.

Und was Ther Tauron noch viel mehr beunruhigte, war der Verlauf der Kampfes um die ANTIA. Es sah gar nicht gut aus. Bei seiner letzten Landung hatte er den noch dort befindlichen Wergols befohlen, die Sklavinnen und Gefangenen zu töten, die sich in seinen Gemächern befanden. Im Falle des Sieges waren sie ersetzbar und im Falle einer Niederlage, war es sicherer, wenn niemand von seinen... Vergnügungen und Launen wusste. Außerdem sollten magische Gerätschaften und Bücher vernichtet oder in Sicherheit gebracht werden. Inwieweit seine Befehle ausgeführt worden waren, konnte er nicht feststellen. Doch die Wergols würden ihr Leben dafür eingesetzt haben, dessen konnte er sicher sein.

Eine Entscheidung musste getroffen werden und der Erzmagier traf sie. Kurz schob er die Maske nach oben, wischte sich über die Stirn und blickte sich um. Er winkte den getreuen Beil heran, der sich immer in Rufweite seines Herrn hielt und gab ihm das Zeichen zum Abzug.

„Und der Vertrag mit der ANTI, Herr?“, schrie der Wergol herüber. Die grünen Augen des Magierfürsten starrten den riesenhaften Wergol an, als wollten sie ihn durchbohren, dann schüttelte Ther Tauron den Kopf: „Mit Toten schließt man keine Verträge, an Tote ist man nicht gebunden.“

Schrill tönten die Signalhörner der Wergols durch die Lüfte, gaben den Überlebenden - wenig genug waren übriggeblieben - das Zeichen sich aus den Kämpfen zu lösen und sich abzusetzen. Die Route für einen solchen Abzug war abgesprochen gewesen, Ther Tauron hatte dem Kriegsglück der ANTI nicht recht getraut. Als er sich in einer weiten Schleife vom Ort der Schlacht absetzen wollte, bemerkte der Erzmagier plötzlich, dass sich die Kämpfe immer mehr von der ANTIA-Küste weg verlagert hatten. An der Küste ankerten, offenbar weitgehend unbewacht, die Schiffe der Ossoren. Thers Augen hinter der Maske verengten sich zu schmalen Schlitzen. Das war die Möglichkeit sich an den Verrätern zu rächen! Wenn sie zurückkämen, ihren Sieg zu feiern, sollten sie eine Überraschung erleben. Ein grimmiges Lachen ertönte unter der Maske hervor. Ther Tauron sammelte seine magischen Kräfte und steuerte Feuerfresser in eine langgestreckte Kurve, auf das ossorische Flaggschiff zu. So konzentriert war er auf die Magie und darauf, seine Flugechse entsprechend zu steuern, dass ihm entging, wie viele Riesenraben ihm folgten und das seine immer kleiner werdende Schar von Leibwachen kaum noch in der Lage war, sie ihm fern zu halten.

Auf dem Deck des ossorischen Flaggschiffes stand der Großkapitän Karhim Olodovo, der Neffe des Piratenkönigs, der mit wenigen Leuten die undankbare Aufgabe erhalten hatte, die zurückgelassenen Schiffe zu bewachen. Das kommende Verhängnis konnte er nicht ahnen.

Ther Tauron hatte die Vorbereitungen für den magischen Feuerball abgeschlossen und mit einer knappen Geste setzte er die Energie frei. Das Flaggschiff – und sein Kapitän - verschwand in einer Explosion aus mörderischen Flammen. Und diese Flammen breiteten sich in den nächsten Stunden über die halbe, vor Anker liegende, ossorische Flotte aus, erfasste die Schiffe und vernichtete sie.

Inzwischen war Feuerfresser auf den Befehl seines Reiters hin wieder aufgestiegen. Doch jetzt wurde dem Erzmagier gewahr, dass er inzwischen vollständig von Riesenraben umzingelt war. Der getreue Beil versuchte seinem Herrn einen Weg freizukämpfen, doch, durchbohrt von Pfeilen und Wurfgeschossen, stürzte sein Dragol dem Meer entgegen. Würde es dem Wergolhelden gelingen, sich zu retten?

Die anderen Leibwächter waren nun weitgehend abgedrängt, der Ruf: „Wergols, her zu mir, im Namen Seths! Schart euch um mich!“ verhallte weitgehend ungehört. Ther Tauron war allein.

Vereinzelte Wurfgeschosse trafen jetzt auch den Erzmagier. Ein Schleuderstein riss ihm die Maske vom Gesicht, während er verzweifelt darum bemüht war, noch einmal genügend Magie für einen Befreiungsschlag zu sammeln. Doch der lange Kampf und die ständige Einnahme gewisser Substanzen zeigten nun langsam auch bei dem Erzmagier Wirkung. Zusätzlich musste er sich darauf konzentrieren, den verletzten Feuerfresser zu lenken, der jetzt von allen Seiten von Riesenraben bedroht wurde und der nur noch matt und schwach mit den großen Flügeln schlug. Mit der rechten Hand hielt Ther Tauron die Zügel fest, mit der Linken wischte er sich das Blut aus den Augen, das aus der Wunde, die ihm der Schleuderstein beigebracht hatte, floss. Wieder bemühte er sich, magische Energie zu sammeln:

  • „Zu dir rufe ich, mein Vater Seth,
  • da ich inmitten von Feindesmassen bin, die ich nicht kenne!
  • Alle Länder haben sich gegen mich verbündet,
  • ich aber bin ganz allein und kein anderer ist mit mir,
  • denn meine zahlreiche Truppe hat mich verlassen...!“

Doch dieser Versuch, durch die Anrufung Seths möglicherweise weitere magische Energie zu erhalten, schlug fehl. Schon machten sich die Rabenreiter Wu Ya Shans bereit, den Erzmagier mit einer Salve von Wurfgeschossen zu überschütten. Da drängte sich plötzlich ein großer, beeindruckender Rabe durch den Schwarm der anderen Vögel. Sofort spürte Ther Tauron die magische Ausstrahlung - das war Macht, das war Stärke! Ihr würde er nicht widerstehen können. ‚Das ist nun also das Ende’, dachte der Erzmagier. Seine linke Hand krampfte sich um die Zügel, mit der rechten griff er nach dem Schlachtbeil, das am Sattel befestigt war. Er riss die Waffe hoch und wirbelte sie um seinen Kopf. Beil hatte ihn viel gelehrt, vielleicht ... konnte er den Höchstpriester ... überraschen?

Da zog dieser sein Schwert – war es nicht von einem lodernden Feuer umgeben? – und streckte es Ther Tauron entgegen. „Gib dich mir, Erzmagier aus Wergolost. Und Dein Leben soll geschont werden, wenn du dein Ehrenwort gibst, dich der Gefangenschaft zu fügen. Zu dir spricht Digna Livsandar, Höchstpriester des Gerechtesten Gottes, dessen Macht hinter mir steht.“

Ther blickte sich nochmals um. Kein Dragolreiter war in der unmittelbaren Nähe zu sehen. Tief unten, auf der ANTIA, waren große Feuer und Rauchschwaden zu erkennen und Flammen schlugen allerorten aus Aufbauten und Gebäuden der schwimmenden Insel.

Rettung war nicht in Sicht, aber... die Worte des Höchstpriesters boten eine Chance. Der Erzmagier ließ das Schlachtbeil sinken.

„Nehmt mein Wort, dass ich mich eurer Gefangenschaft füge. Ich gebe mich in eure Hände, Digna Livsandar.“, rief er dem Höchstpriester zu und er versäumte es nicht, die Worte ‚eurer’ und ‚eure’ besonders zu betonen. Das Schwert, das Digna noch immer auf den Erzmagier gerichtet hatte, schien kurz aufzuleuchten und der Höchstpriester nickte zufrieden.

Von einem Schwarm Riesenraben begleitet, führte Digna Livsandar den Erzmagier und die Reste seiner Leibwächterstaffel, die sich – auf seinen Befehl hin - ebenfalls ergeben hatte, persönlich zum Lager der Kämpfer aus Wu Ya Shan.

Dort angekommen, bat Ther darum, sich zuerst um die Wunden Feuerfressers kümmern zu dürfen. Digna schien verwundert, doch stimmte er nach kurzem Zögern zu. Das Lächeln, das daraufhin kurz über die Gesichtszüge des Erzmagiers huschte, konnte verschieden gedeutet werden. Doch benahm er sich äußerst kooperativ und nach der Versorgung des Dragols begab er sich ohne Schwierigkeiten an den Ort, den der Höchstpriester vorerst zu seinem Gefängnis bestimmt hatte.
FlattrButon.png

FlattrThis.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki