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Corigani: Aldaron Schutzgebiete

Schatten alter Zeit

"Woran denkst du, Cerywen?"

Die junge rothaarige Frau, deren rechtes Auge von einem Lederlappen überdeckt wurde, drehte den Kopf, während ihre Hände die Zügel umklammerten. Nur einen kurzen Moment musterte sie ihren Begleiter, dann widmete sie sich wieder der Aussicht auf den Hügel vor ihnen. Wildgräser und kleine Büsche wucherten neben Dornengestrüpp auf dem sanft geschwungenen Hang, aber auf der Kuppe ragten noch immer die Reste schwarzer Steinmauern aus dem Grün. Ein junger Baum hatte eine der kleineren Wände gesprengt und wuchs aus dem dabei entstandenen Spalt. Das Haus, das dort einmal gestanden hatte, mußte groß gewesen sein - und befestigt. Doch die Pflanzen hatten den Erdwall überwuchert und Wind und Wetter die Holzpalisaden verrotten lassen.

"Hier lebten meine Vorfahren", sagte sie leise. "Hier lebten sie jahraus, jahrein, bis eine Horde von Barbaren ihr Heim zerstörte. Ich habe schon in meiner Kindheit davon geträumt, einmal hierhin zurückzukehren und den Ort zu besuchen, an dem so viele Erinnerungen meiner Urgroßmutter hingen. Ich glaube sie hat es so gewollt."

"Du hattest erwähnt, daß sie hier geboren wurde", warf der junge Mann ein. "Aber der Ort dort oben ist zerfallen. Hat sie nicht viel durchgemacht und mußte sogar das Schwert ergreifen?"

"Meine Urgroßmutter war niemals eine Schwertfrau, obgleich sie damit umgehen konnte. Sie hat viel erlebt, ja. Aber sie hatte auch einen starken Willen. Ich verdanke ihr mein Leben. Sie beschützte mich, seit ich geboren wurde. Du weißt - warum!"

Der junge Mann nickte und strich eine schwarzbraune Locke zurück. Er musterte seine Begleiterin, die ihn mit ihrem braunen Auge ansah, nachdenklich. Er war einer der wenigen Menschen, die um Cerywens Geheimnis wußten: unter der Augenklappe war kein blindes, sondern ein grünes Auge versteckt. Das Schicksal oder eine Laune der Natur hatte ihr das Erbe eines Ahnen gegeben, der das Blut der Verfluchten Fhionghiannas in sich getragen hatte.

Die junge Frau seufzte. "Als sie vor zwei Jahren starb, habe ich mehr um sie geweint, als um meine Eltern."

"Cerywen..." "Dermord? Du hast recht, ich fange wieder an zu grübeln, und das ist nicht gut. Aber ich sehnte mich immer in die Berge zurück, auch wenn es hier gefährlich ist. Ich weiß, daß wir besser nach Elwynd oder Dhy gehen sollen, aber das hier ist meine wirkliche Heimat. Und... ich habe es meiner Urgroßmutter versprochen..."

"Ach, mach dir darum keine Sorgen!" Dermord lächelte und streckte dann eine Hand aus, die Cerywen sanft ergriff und hielt. Die Pferde schnaubten leise.

"Ich mache dir bestimmt keinen Vorwurf, denn schließlich war ich es, der Bruder SerMherllwyr niederschlug und dabei aus Versehen tötete, als er dein Geheinmis entdeckt hatte und dich anklagen wollte. Wir mußten Yjan-Calliorn verlassen, weil es uns beide den Feuertod gebracht hätte. Dir, weil du "Dämonenbrut" sein sollst - und ich, weil ich meine Gelübde als Novize gebrochen habe! Ich wagte dich zu lieben - eine Frau, eine "Hexe"! Aber ich habe nie an den Unsinn geglaubt, den die Lehrmeister uns vermittelten. Du bist nicht böse und verderbt..."

Er lachte trocken. "Daß ich ein Priester werden sollte, war doch ohnehin nur ein Wunsch meiner Eltern, die mich loswerden wollten. weil ich nicht, wie meine Brüder zum Waffendienst taugte. Und das Gelehrtendasein erschien ihnen brotlos. Sie haben mich nicht nach meinen Wünschen gefragt! Und sie wollten mich auch vor dir trennen - um unsere Verbindung zu verhindern! Sie wäre eine Schande für das Haus NathDharmalorr gewesen. Das sind ihre Worte."

"Ich bin glücklich, daß du so zu mir stehst! Schon als Kinder haben wir uns so gut verstanden, obgleich unsere Familien wegen Urgroßmutter verfeindet waren? Dein Großvater hasste sie bis auf's Blut, weil er glaubte, daß sie seinen Vater ermordet habe. Dermord, letztendlich hat alles so kommen müssen."

Sie seufzte. "Meine Eltern duldeten mich nur. Wie hätte mein Vater jemals zugeben können, daß er, der aufrechte und gesetzestreue Stadtvogt von Tewydd eine "Dämonentochter" gezeugt hatte? Das hätte ihn seine Stellung gekostet, wäre es den Priestern zu Ohren gekommen - und so war ich von Kindheit an auf einem Auge "blind". Ich wurde der Obhut meiner Urgroßmutter, die mich als einzigste wirklich liebte. Sie wußte zwar nicht viel über die "Macht" grüner Augen, aber sie hat mir das beigebracht, was sie noch aus Überlieferungen wußte. Die Bergstämme haben keine Furcht vor meiner Augenfarbe, sofern sie nicht zu Mherllwyr bekehrt wurden..."

"Hm", sinnierte Dermord, dem das Thema missfiel, um sie abzulenken. "Wenn ich mir die Ruinen so ansehe, muß deine Familie etwas besseres gewesen sein, oder täusche ich mich da?"

"Du willst mich auf andere Gedanken bringen? Oh Dermord - ja, sie waren etwas besseres, sie waren Bherren, Stammesführer."

Dann zog sie ihre Hand zurück und blickte wieder hoch. "Laß uns auf die Kuppe reiten!" bat sie dann. Dermord nickte zögernd. "Mir ist dieser Ort unheimlich", murmelte er, folgte ihr aber dann.

Cerywen ließ das Pferd im Schritt den kaum noch zu erkennenden Pfad, der auf die Erhebung führte, entlanggehen. Dermord hielt sich dicht hinter ihr. Erst vor den feuergeschwärzten Ruinen hielten sie an, und die junge Frau stieg langsam von ihrem Tier hinunter, um eine der Steinmauern zu berühren.

Die zwischen den Bergen untergehende Sonne warf rötliche Schatten, und es wurde merklich kühler. Der Atem der beiden Wanderer kondensierte bereits als feiner weißer Nebel vor ihren Gesichtern und erinnerte sie daran, daß der Herbst seinen Höhepunkt überschritten hatte, und sich der Winter näherte.

"So viele Jahre sind vergangen, und dennoch spüre ich immer noch die Schreie der Bewohner dieses Hauses. Ihre Angst vor dem Feuer, den Schwertern der Bande, dem Tod!" sagte sie mit zitternder Stimme. Obgleich der Abendwind ihre Wangen rötete wurde ihre Haut bleich. Dermord wußte, daß sie in Trance versunken war und stieg auch von seinem Pferd, eilte rasch an ihre Seite und legte eine Hand auf ihre Schulter. "Cerywen, nicht jetzt! Halte deine Fähigkeiten im Zaum... es wird Abend und wir müssen uns noch einen Unterschlupf suchen!"

Er wußte zwar nicht genau, zu was sie fähig war - Cerywen hatte sich das wenige, was sie beherrschte selber erarbeitet, aber er spürte, daß eine ihrer besonderen Gaben, die er vor allem in ihren Liebesspielen schätzte, erwacht war, und sie in ihrem Bann hielt. Die junge rothaarige Frau, die ihn um eine Fingerbreit überragte schien ihn gar nicht zu hören. Sie starrte wie blind auf die Ruinen. Ihre Lippen bewegten sich, als spräche sie mit etwas Unsichtbaren, daß in diesen Ruinen lebte. Dermord erinnerte sich furchtsam an die Geisterlehren, die man ihm im Tempel von Tewydd eingebleut hatte: Manchmal blieben Seelen von Toten an Orten zurück und wurden zu Rachegeistern oder noch schlimmerem. Es gab verschiedene Gründe, sie daran zu binden - "Dämonenmagie", Schwüre oder Gefühle... Cerywen schien besonders empfindlich dafür zu sein.

Er ergriff ihre Schultern und schüttelte seine Begleiterin heftig. Er nahm plötzlich eine unnatürliche Kälte wahr, die die Pferde nicht zu spüren schienen. Ein leises Säuseln war zu hören, das wie Stimmen klang.

'Du hast es geschworen! Nun halte deinen Eid, oder dein Blut ist unser! Betrüge uns nicht länger!'

Dermord schüttelte Cerywen wieder. Sie wimmerte leise und riß die Augen auf. "Welchen Schwur", schrie sie fast, "soll ich einhalten? Ich kenne ihn doch nicht! Wenn ich euch helfen soll, muß ich wissen, was ich tun soll!"

Sie fasste sich an den Hals und rang nach Luft, während sie den Kopf in den Nacken warf. "Aaieeeh!"

Dermord spürte, wie sich Eiseskälte um sie legte und begann Gebete zu murmeln und Mherllwyr anzurufen. Er glaubte nicht, daß dies etwas half - aber das unheilvollen Geister schienen vor den Worten des Glaubens zurückzuschrecken. Er rief die Gebete immer lauter, bis Cerywen ihm eine Hand auf den Mund legte.

"Es ist gut", sagte sie müde. "Du hast sie vertrieben. Sie sind so voller Schmerz und Zorn, daß sie gar nicht wissen, was sie tun!" Sie taumelte und lächelte ihn an, klappte das Leder zurück, das ihr grünes Auge verborgen hatte. "Du hast uns das Leben gerettet! Mit Gebeten, die ich verabscheuen müßte, aber es war die Macht der Worte, die sie erschreckte..., deine Art von Magie."

"Wir müssen hier fort!" unterbrach sie Dermord sanft. "Kyrri, wir können auch später darüber reden. Laß uns einen Unterschlupf suchen!"

Dem widersprach Cerywen nicht, und so verließen sie den Hügel, als die letzten Strahlen der Sonne erloschen.

Das Feuer knisterte warm und anheimelnd im Kamin, während die alte Frau ihnen zwei Becher mit heißem Tee reichte und sich zu ihnen, den Flammen den Rücken zugewandt, setzte. "Ah, tut das meinem armen Rücken gut...", seufzte sie und lächelte entschuldigend. "So so, ihr kommt also von den NathWhesard-Ruinen. Wißt ihr nicht, daß sie verflucht sind? Etwas geht in ihnen um, das nicht greifbar ist, bei den vier Winden! Mein Neffe wollte mir, als er jung war, nicht glauben, daß sie verwunschen seien, aber nach einer Nacht auf dem Hügel kam er mit einem wilden Blick in den Augen zurück, und der Arzt mußte ihm ein Bein abnehmen, weil es erfroren war! Er hatte noch glück - andere, die das Böse überlisten wollten, kamen dabei ums Leben! Und ihr - habt ihr das Unheil auch gespürt?"

"Ja", antwortete Dermord für Cerywen, die geistesabwesend in die Flammen starrte und das Tongefäß umklammerte, während sie an dem dampfenden Getränk nippte. Er streichelte ihr Haar und beugte sich dann leicht vor, um die alte Frau, die ihnen in ihrer Kate Obdach für diese Nacht gewährt hatte, genauer zu betrachten. Sie war vielleicht achtzig Jahre alt und die faltige Haut verriet, daß sie ihren Lebtag im Freien verbracht hatte. Sie war eine einfache Bäuerin, die seit gut einem Jahrzehnt alleine lebte, nachdem ein harter Winter ihre Familie dahingerafft hatte, wie sie ihnen beim abendessen erzählt hatte. Ihr Name war Mhaned.

Die Alte strich sich eine graubraune Strähne aus dem Gesicht und nickte bedächtig. "Mein Vater war einer der wenigen, die den Überfall dieser Hunde überlebten. Weil er erst acht Jahre war, trieben sie ihn hinaus in die Winterkälte, während sie die Erwachsenen und Mädchen folterten und schändeten. Er hat uns oft davon erzählt..." Sie seufzte traurig. "Er wurde mit der Zeit immer verwirrter. Als er an die achtzig Winter zählte, ging er zu den Ruinen und erfror. Er hat viel dummes Zeug geschwatzt und meinen Kindern Flausen in den Kopf gesetzt."

Kyrstin blickte plötzlich auf. "Ich möchte davon hören", wisperte sie. Ihr braunes Auge tränte, das andere hatte sie wieder unter dem Leder verborgen, denn ihre Erfahrungen im Tiefland hatten sie vorsichtig gemacht. Sie wußte nicht, wie die einfache Bäuerin reagieren würde. Mhaned schüttelte den Kopf. "Ihr beide seid sehr neugierig für Fremde, die aus dem Tiefland kommen. Hmhm, sind diese immer so?"

Kyrstin lächelte, während Dermord sie fragend ansah und seine Hände ineinander verkrampfte. "Ich habe Vorfahren, die aus den Bergen stammen, sogar aus dieser Gegend, glaube ich", antwortete sie auf die Frage der alten Frau. "Oh...!"

Diese musterte sie genauer. "Ja? Wenn, aus welcher Familie? Du kommst mir nicht bekannt vor. Hier oben heiraten sie oft untereinander, so daß jede Familie ihre Eigenarten hat. Oder hast du nichts von ihnen geerbt?" "Doch", antwortete Cerywen, während Dermord sie finster ansah, aber nichts sagte. "Mein Haar. Meine Urgroßmutter war Caethryn NathWhesard."

Die alte Frau ließ ihren Becher fallen, der klirrend auf dem Boden zersprang. Sie starrte Cerywen mit weit geöffneten Augen an. "Caethryn NathWhesard!" flüsterte sie. "Also hatte mein Vater doch nicht unrecht mit der Behauptung, daß sie überlebt hätte und geflohen sei! Sie haben ihn deshalb immer verlacht! Warum sollten sie auch einem Knaben glauben!" Sie schüttelte verwirrt den Kopf. Dann wollte sie sich erheben, um die Teile des Bechers aufzuklauben, doch Cerywen war schneller als sie.

Mit flinken Fingern klaubte sie die Scherben auf und setzte sich dann zu Füßen der alten Frau. "Bitte Mhaned, erzählt mir alles, was ihr wißt!"

"Sollten wir das nicht lieber auf morgen verschieben? Wir sind müde von der Reise, und dir, Cerywen sind die Ruinen zu sehr ans Herz gegangen!" wandte Dermord ein und hob entschuldigend die Hände, als die Rothaarige eine Hand ausstreckte. "Schon gut...", antwortete er.

Die Greisin betrachtete sie genauer. "Hat euer Mann nicht recht?" "Ich bin nicht müde!" widersprach Cerywen. "Jetzt nicht mehr. Bitte, ich bin begierig zu erfahren, was Ihr mir berichten könnt...und nennt mich Cerywen." "Hmhm, Herrin, nun der Eifer Eurer Jugend drängt mich förmlich, obgleich mich wundert, daß Ihr nicht viel darüber wißt."

"Meine Urgroßmutter hat nicht viel von dem erzählt, was sie ins Tiefland trieb. Sie hat mir nur immer von der Schönheit des Hochlandes und der Ehrlichkeit seiner Menschen erzählt. Ich weiß nur, daß sie ihre Familie durch Barbaren verlor."

"Hmhm, das mag so sein. Caethryn NathWhesard war eine stolze Frau sagt man, und war das einzige überlebende Kind ihrer Eltern. Sie lehnte sogar die Hand eines Bherren ab und besiegte ihn im Zweikampf, als er zornig wurde, und sie herausforderte. Und als diese Barbaren kamen, kämpfte sie an der Seite der Männer und machte ihnen Mut, als alles verloren war. Schließlich, so hieß es, sprang sie in die Flammen, die um das brennende Haupthaus züngelten und man glaubte, sie sei verbrannt.

Mein Vater aber erzählte, daß er sie in den Schrein des Götterpaares habe laufen sehen und ein Gebet sprechen. Er war verletzt und unter einem Balken eingeklemmt, aber sie half ihm hinaus und floh mit ihm durch einen unterirdischen Gang. Dann wurde er bewußtlos und fand sich in einer Höhle wieder. Weil er fieberte hielt er das alles lange für einen Traum...auch die Worte, die sie den Flammen entgegenschrie..." Die alte Frau runzelte die Stirn. "Er behauptete, es sei ein Eid gewesen."

"Sie leistete einen Schwur?" mischte sich Dermord erstaunt ein.

"Ich kann nicht genau wiederholen, was sie gesagt haben soll, da mein Vater immer wieder anderes behauptete. Vermutlich sprach sie von Rache" antwortete die Alte.

Cerywen stützte das Kinn auf die Hand. "Das war bestimmt nicht alles", sinnierte sie. "Urgroßmutter war gründlich, wenn sie eine Aufgabe sehr wichtig nahm."

"So gründlich, daß sie meinen Großvater mehrfach so sehr drohte, daß er sich zurückzog!" stimmte Dermord ihr zu. Er gähnte. "Das waren viele Worte zu dieser späten Stunde, aber langsam fange ich an zu begreifen, was hier los ist..."

Die alte Frau musterte ihn neugierig. "Seid ihr ein Gelehrter, junger Herr? Ein Mann des Wissens? Ihr kamt mir gleich so seltsam vor, weil ihr als Waffe nur ein Langmesser tragt und doch kein Bauer sein könnt."

"So etwas ähnliches", gab Dermord zu. "Wißt ihr noch mehr Großmutter?" lenkte Cerywen die Aufmerksamkeit der Greisin wieder auf sich. Diese seufzte. "Natürlich, aber euer Mann hat recht! Es ist schon spät, und ich bin auch müde, meine Knochen schmerzen. Ihr könnt euch gerne euer Lager vor dem Feuer bereiten und noch länger meine Gäste sein. Das bin ich euch mindestens schuldig." "Ihr seid sehr gütig, Großmutter", erwiderte Dermord und half der Greisin auf.

Das Feuer war schon zur Glut hinuntergebrannt, als Dermord und Cerywen immer noch wach lagen. Sie kuschelten sich unter den Decken eng zusammen und schwiegen. In einer Ecke des Raumes hörten sie die rasselnden aber gleichmäßigen Atemzüge der alten Frau. "Liebes", brach Dermord schließlich die Stille. "Was geht eigentlich in deinem Kopf vor? Dein grünes Auge glüht in der Dunkelheit. Du grübelst über etwas nach, das sehe ich dir an."

"Sie hat dich meinen Mann genannt." "Du lenkst ab, Cerywen", zischte er. "Vielleicht nicht vor den Göttern und Menschen, aber vor uns. Wir haben soviel miteinander durchgemacht, daß wir ein Herz und eine Seele sind... das glaube ich bis jetzt. Nun sind deine Gedanken woanders!"

Ihre Hand fuhr den Schwung seiner Halsbeuge nach. "Es tut mir leid, Geliebter, ich wollte dir nicht weh tun. Ich kann an nichts anderes mehr denken, als die Geister von NathWhesard. Ihr Klagen tut mir so weh, und bin ich nicht von Caethryns Blut? Vielleicht trage ich jetzt die Verantwortung für diese verlorenen Seelen."

"Mherllwyr!" grummelte Dermord. "Ich kann sicher vermuten, daß deine Urgroßmutter durch ihren Eid, oder was es sonst war, die Seelen der Ermordeten an diesen Ort gebunden hat, obgleich sie keine dämo... entschuldige, keine Magie hatte. Aber der menschliche Geist, so habe ich es gelernt, kann manchmal über die Sterblichkeit hinaus weiterbestehen. So heißt es in den Schriften von Kreen." Er grinste. "Mein Studium der Weisheiten Mherllwyrs war doch zu etwas nütze."

Er beugte sich vor und küßte sie, doch Cerywen schob ihn sanft von sich. "Wir sind nicht alleine", sagte sie traurig," und sie könnte wach werden, wenn wir uns lieben. Außerdem bin ich nicht in der Stimmung dazu. Ich denke an den Eid. Wenn sie nur Rache geschworen hat, warum sind die Geister dann immer noch da - und welche Hilfe wollte sie ihnen geben?" "Caethryn muß Rache genommen haben, denn mein Großvater klagte sie öfters an, eine Mörderin gewesen zu sein. Er hat doch immer auf eine Gelegenheit gewartet, sie anzuklagen, erinnerst du dich?"

"Ja, und sie ist ihm immer wieder entschlüpft. Auch meine Eltern mochten sie nicht besonders, weil sie ja "Schande" über die Familie gebracht hatte. Aber mein Urgroßvater muß sie sehr geliebt haben, sonst hätte er sie nicht geschützt und die Spötter seiner Zeit zum Schweigen gebracht..." Cerywen atmete tief ein. "Das sind alles alte Geschichten. Für uns zählt nur noch eines - die Zukunft! Nach Hause können wir nicht zurück. Wollen wir nicht..."

"...hier bleiben?" beendete Dermord den Satz. Er richtete sich halb auf, so daß er auf seine Gefährtin hinunterblicken konnte. Seine Lippen zitterten, als er mit sich rang und darüber nachdachte, ob er es als Tiefländer wohl hier aushalten würde. "Ich möchte mich noch nicht festlegen. Wenn du den Fluch ergründen willst, so stehe ich dir bei, ich kann dir ohnehin nicht viel verwehren... aber ich möchte mich noch nicht festlegen." "Laß dir Zeit Liebster", murmelte Cerywen und umarmte Dermord, um ihn zu sich hinunterzuziehen. "Wir haben doch genug."

Der aufkommende Sturm trieb Regenwolken heran, die den Himmel immer mehr verdunkelten. Windböen umtosten Dermord, als er vor den Ruinen stand, doch er fror nicht. Er ließ keinen Blick von Krysthin, die über eine Mauer geklettert war, und nun inmitten der Ruinen stand.

'Ich muß verrückt sein dabei zuzuschauen, aber dafür liebe ich sie zu sehr!' dachte er und wandte seinen Kopf. Am Fuß des Hügels stand eine kleine Schar von Menschen. Die Kunde, daß eine Nachfahrin Caethryn NathWhesards gekommen war, hatte sich schnell in dem kleinen Dorf, das hinter einem der Hügel lag verbreitet. Die alte Frau hatte natürlich dazu beigetragen, obwohl sie sie gewarnt hatte, diesen Ort noch einmal aufzusuchen und die "Unsichtbaren" herauszufordern. Nun beobachteten sie die Hochländer neugierig. Einige wenige hatten bisher mit Cerywen gesprochen - sie hielt eine unerklärliche Scheu zurück, obgleich die junge Frau ihre Augenklappe getragen hatte. Nun aber zog sie das Band über den Kopf und stopfte das Leder in ihr Hemd. Ihre schulterlangen Haare wirbelten hoch, ihr Mantel flatterte.

Noch hatte sich nichts gerührt. Dermord beobachtete, wie Cerywen die Arme ausstreckte und die Augen schloß. Sie konzentrierte sich darauf, die Geister zu aufzuspüren. Ein kaum zu erkennender grüner Schimmer ging von ihrem Kopf aus und erfasste bald den ganzen Körper. Er beobachtete sie fasziniert. Die Lehrmeister im Tempel hatten es als "Dämonenwerk" verdammt, genauso wie Cerywens andere Fähigkeiten - die allerdings kaum eine Wirkung hatten. Für ihn waren sie immer ein Teil von Cerywen gewesen mit der er schon als kleines Kind auf den Gassen von Tewydd gespielt hatten, denn die Häuser ihrer Familien grenzten aneinander.

Genausowenig erschrak er nun vor dem dunkelgrauen Nebel, der sich um seine Geliebte bildete. Nur ein kalter Schauer rann über seinen Rücken, als dieser sich um die junge Frau zusammenzog. Sie hob abwehrend die Hände und presste sie gegen die Ohren. Dermord gab seinen Gefühlen nicht nach, auf sie zuzustürzen und ihr zu helfen - es hätte ihn mehr gefährdet als sie. So sah er angespannt zu, wie Krysthin die Hände wieder ausstreckte und die Nebelfäden wegdrückte, als seien sie Spinnweben. Das Licht war heller gewurden - und verpuffte im nächsten Moment ebenso schlagartig wie der dunkle Nebel. Cerywen gab ein keuchen von sich. Sie öffnete die Augen und machte einige Schritte nach vorne. Dort zwischen zwei Steinblöcken bildete sich aus einer kleinen schwarzen Flamme eine Gestalt, formte sich aus und wurde zu dem durchsichtigen Abbild eines vielleicht neunjährigen Mädchens. Blonde Locken schmiegten sich um ein herzförmiges Gesicht mit rehbraunen Augen, die Kyrstin neugierig musterten. Es sah so harmlos aus... Dermord hielt die Luft an.

"Bist du gekommen, um uns zu helfen? Wir wollen nicht länger traurig sein und weinen!" sagte es. Seine Stimme klang eher wie das Wispern des Windes. "Wird alles so werden wie früher, und darf ich dann mit anderen Kindern spielen? Wirst du NathWhesard wieder schön machen?"

"Ja, das alles wird so sein, wenn du mir hilfst. Ich weiß nicht genau, was ich tun soll!" antwortete Cerywen. "Bist du nicht die Herrin Caethryn? Du hast es uns doch ganz fest versprochen!" "Ich bin...", stockte Dermords Gefährtin, als müsse sie sich die nächsten Worte genau überlegen. Der junge Mann nickte - sie hatte wie er erkannt, daß die Geister nicht wußten, wieviel Zeit verstrichen war. "Ich bin lange fortgewesen und habe die genauen Worte vergessen. Bitte sag sie mir, dann werde ich alles tun, um euch zu helfen." "Oh", machte die Kleine vorwurfsvoll und hob tadelnd den Finger. Dann deutete sie auf den hinteren Teil der Ruinen. Ein eisiger Wind ließ Cerywen die Arme vor der Brust verschränken. Ihre Kleidung wurde heftig aufgewirbelt.

Dermord warf einen Blick zurück. Glücklicherweise konnten die Menschen von unten nur ihn und nicht das, was noch hier oben vorging sehen. Ein eisiger Hauch streifte ihn, als wolle er ihn mahnen, seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne zu richten.

Ein schemenhaftes Bild erhob sich aus den Grundmauern eines Raumes über einem verwitterten Stein, auf dem etwas eingraviert war. Der Schatten einer Frau kauerte dort und eine verzweifelte Stimme erklang noch verzerrter: "Ich will Rache nehmen an den Mördern, das verspreche ich euch - und euch allen, die ihr in dieser unheilvollen Nacht starbt versprechen - mit meiner Ehre und meinem Blut - daß ich NathWhesard wieder aufbauen werde. So wie es einst war. und ihr mögt mich daran erinnern, bis Fröhlichkeit dieses Haus erfüllt und Kinderlachen! Und das erlege ich auch meinen Kindern auf, sollte ich nicht mehr solange leben, um diesen Schwur zu erfüllen..." Dermord schluckte, während Cerywen leicht schwankte und den Kopf senkte, um das Mädchen anzusehen und dann auf ein Knie zu sinken. Das Licht um sie verschwand. "Ich danke dir, Kleine..."

"Mein Name ist Dorja!" Das Geisterkind streckte eine Hand aus, doch Cerywen wich nicht zurück, zuckte nur leicht zusammen, als es ihr Gesicht berührte und eine weiße Stelle auf der Wange hinterließ. Verlegen zog es die Hand zurück. "Wirst du uns helfen und NathWhesard wieder mit Leben erfüllen? Du bist aber nicht die Herrin!" stellte dann Thaya erstaunt fest.

"Ich bin ihre Urenkelin... Ja, jetzt wo ich weiß, was ich tun soll, will ich euch helfen. Aber ihr müßt mir alle versprechen, daß ihr von nun an, bis zu eurer Erlösung, keine Menschen mehr erschreckt, oder ihnen weh tut! Sonst wird an diesem Ort niemals wieder ein Haus stehen, weil ich alleine zu schwach bin, es zu bauen..."

Einen Moment erschien der Nebel wieder und hüllte Kyrstins und Thayas Füße ein. Einen Moment erschien es Dermord, als wolle er wieder an seiner Gefährtin emporklettern - aber dann versank das Geistermädchen mit einem Lachen in ihm.

Im nächsten Moment hörte Dermord erschreckte Rufe und Schreie hinter sich. Er blickte zurück und sah, wie die Bergbauern zurückwichen. Denn über die Ruinen legte sich das Bild eines imposanten, wenn auch einfach gebauten Hauses aus Stein, Holz und Lehm. Das mußte das alte Haupthaus gewesen sein und die Geister schienen es sich als letzte Forderung zurückzuwünschen. Dann verschwand es so plötzlich wie es gekommen war. Dermord hatte das Gefühl, daß dieser Ort ein wenig heller erschien und Wärme verbreitete. Cerywen kletterte mit einem entrückten Gesichtsausdruck aus den Ruinen und wehrte seine Hände ab, als er sie sorgenvoll umarmen wollte.

"Bitte lauft nicht fort!" rief sie nach unten, den fliehenden Hochländern nach. "Kommt zurück und habt keine Furcht! Der Fluch ist gebrochen, doch ich brauche eure Hilfe, um ein Vermächtnis meiner Ahne Caethryn zu erfüllen! Komm und überzeugt euch selbst! Die Schatten sind nicht mehr gefährlich!"

Zögernd gehorchten die Bauern und wanderten langsam den Hügel hinauf. Die ersten Regentropfen begannen zu fallen, doch die Neugier siegte über die Furcht und Unannehmlichkeit.

Ein junger Bursche überzeugte sich als erster und betrat das Ruinenfeld, sah sich zuerst misstrauisch und unruhig um, nickte aber dann und entspannte sich. "Ich glaube es nicht - es ist wahr!" Er sah Cerywen an, die ihre Augenklappe nicht mehr trug, doch in seinem Gesicht zeigte sich keine Furcht. "Sind die Geister wirklich fort, Zauberin? Habt ihr sie vertrieben? Sie haben einige unserer Männer getötet und sind sehr feindlich gesinnt!"

Cerywen schüttelte den Kopf. "Jetzt werden sie euch nichts mehr tun, weil sie wissen, daß ich hier bin. Sie waren voller Trauer, Schmerz und Angst und wußten nicht, was sie taten. Ihr müßt mir helfen, das haus hier wiederaufzubauen, dann werden sie entgültig verschwinden."

Der junge Mann trat an sie heran. "Meine Muhme erzählte mir, daß die NathWhesard tapfere und ehrenhafte Bherren waren und von den Winden gesegnet. Einige von ihnen konnten sogar Wunder wirken - wie ihr!" Verlegen sah Cerywen zu Dermord, ehe sie sich wieder an den Bauernburschen wandte. "Wirst du ein gutes Wort für mich in der Versammlung einlegen?"

Noch am Abend fanden sich die Dorfbewohner in einem Langhaus zusammen, während draußen der Regen prasselte, um über Cerywens Bitte zu beraten. Diese saß mit Dermord an einem Feuer und wärmte sich. Die alte Frau hatte die erfrorene Stelle an ihrer Wange mit einer Salbe behandelt. Der junge Mann berührte den Fleck, so daß sie zu ihm sah. "Ich denke, daß sie meine Bitte erfüllen. Der junge Mann, Lenesse, sagte mir, daß gerade die Alten noch viel über die NathWhesard wüßten und uns helfen würden. Ist das nicht wunderbar? So hat unsere Flucht in die Berge einen Sinn bekommen!" "Hm, einen, den auch Mherllwyr gutheißen würde. Und du brauchst dein Auge nicht mehr zu verbergen. ich sehe dir deutlich an, daß du hierbleiben möchtest..."

Cerywens Gesicht wurde traurig. "Und du? Was ist mit dir?" Dermord atmete tief ein. "Welche Wahl habe ich? In meine Heimat kann ich nicht zurückgehen, und die Fremde ist mir ein Greuel. Außerdem liebe ich dich viel zu sehr, um dich alleine zu lassen. Nichts kann und soll uns jetzt mehr trennen! Denn ich will dein Leben nicht umsonst gerettet haben..." Er hustete. "Vielleicht werde ich mich nie an das Klima hier oben gewöhnen - aber mit dir ist es leichter. Wohin du willst, gehe auch ich!" Cerywen schlang ihre Arme um ihn. "Das habe ich seit unserer Kindheit gewußt! Ach Dermord, endlich haben wir einen Ort gefunden, den wir Heimat nennen können!"

Niedergeschrieben zu NathWhesard am 11. Tage des Suwhran im Jahre 235 nach der Gründung Ywiss - Mit Stolz blickte ich auf unser Werk. Es hat mehr als ein Jahrzehnt gedauert, viel Schweiß und viele Tränen gekostet, um das Herrenhaus in alter Pracht wieder aufzubauen. Schwere Winter machten uns ebenso wie Räuberbanden und Wölfe zu schaffen, aber irgendwie schafften wir es immer wieder, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Die Dorfbewohner haben uns schnell in ihre Mitte aufgenommen und als Nachfolger der alten Bherren akzeptiert, obgleich ich das nicht verstehen kann. Wir sind eigentlich Fremde, nicht einmal Hochländer. Vielleicht ist es, weil sie Cerywen als Auserwählte sehen, als Beschützerin mit einer Macht, die nicht viele haben. Schließlich hat sie die Geister erlöst, die Generationen von ihnen erschreckten. Und mich fragen sie um Rat, obgleich ich mehr mit meinem gesunden Menschenverstand, als mit Wissen urteilen muß.

Nur bin ich mir nicht so sicher, ob die Seelen der Ermordeten wirklich verschwunden und erlöst sind? Oder warten sie auf etwas? Ich fühle mich schon seit Jahren oft von unsichtbaren Augen beobachtet, so wie auch jetzt..."

Dermord legte die Feder beiseite und starrte aus dem Fenster. Er schreckte auf, als sich die Tür zur Bibliothek plötzlich mit einem lauten Knarren öffnete und weit aufschwang. Ein kleiner, etwa achtjähriger Junge stürzte herin und lugte verlegen unter rotbraunen Haarsträhnen zu ihm auf, als er bemerkte, daß er nicht alleine im Raum war. "Daryn, hast du mir etwas zu sagen?" fragte Dermord streng.

"Ich...ich habe nur Fangen gespielt, aber dieses dumme Ding ist so gemein, daß ich sie nicht erwischen kann!" "Wer, etwa die kleine Marlie?"

"Nein!" protestierte der Junge. "Marlie heult ja wegen jedem bischen! Ich meine Dorja, meine Freundin!" Dorja!

Dermord kannte den Namen sehr gut, und ein kalter Schauer lief über seinen Rücken. Er winkte seinen Sohn zu sich heran und legte einen Arm um die schmalen Schultern des Kindes, bevor er ein heiliges Zeichen schlug. "Laß meinen Sohn in Ruhe!" sagte er drohend. "Haben wir nicht erfüllt, was ihr verlangt habt? NathWhesard ist wiedererrichtet und Kinderlachen erfüllt seit zehn Jahren die Hallen! Was willst du jetzt noch - Dorja?"

"Ich bin aus Liebe geblieben!" erklang eine helle Kinderstimme. "Ich erscheine denen, die ich mag und mit denen ich spielen kann, weil Kyrri mir das versprochen hat!" Das kleine Mädchen materialisierte sich wieder und reckte stolz das schmale Kinn. Es sah ziemlich trotzig aus und seine Rehaugen funkelten.

Dermord ballte eine Hand zur Faust. "Du bist schon lange tot, also mach dich fort!" grollte er. "Es ist wider die natürlichen Gesetze, wenn du weiter hier bleibst!" "Jetzt zitierst du die Lehren Mherllwyrs! Ich glaube, ich habe ein solches Versprechen gegeben! Als ich noch nicht gewußt habe, was die Geister von mir wollten." Cerywen war unbemerkt in die Tür getreten. Sie hielt die kleine Caethryn in den Armen, ihr jüngstes Kind. Die Zweijährige giggelte und lugte neugierig zu Dorja. Das Geisterkind senkte den Blick.

"Ich mag sie auch!" sagte der Junge. "Dorja hätte dich fragen müssen, Papa. Verzeihst du ihr noch mal?" Dermord schluckte. Er traute dem Frieden nicht, aber für's erste war es vielleicht besser, zuzustimmen. Er blickte Cerywen an.

"Ich mag Daryn doch - und ich tu ihm bestimmt nichts!" bekräftigte Dorja noch einmal ihren Wunsch. Flehend blickte sie zu den Erwachsenen, bis Cerywen nickte. "Ich habe es dir versprochen, aber verstecke dich nicht länger vor uns, denn wir wollen immer wissen, wo du bist."

"Ja..." machte Dorja und nickte dann. Sie sah Dermord herausfordernd an und lief dann an Cerywen vorbei nach draußen. Der Junge folgte ihr lachend und schreiend. "Ich hoffe, daß sie ihre Kraft, an diesem Ort festzuhalten, verliert", murmelte Cerywen und blickte ihnen nach. "Deine Sorge ist berechtigt, Dermord. Mir ist bei dem Gedanken auch nicht wohl, unseren Sohn mit ihr spielen zu lassen." Cerywen lächelte bitter. "Immerhin lösen sich die anderen Geister langsam von diesem Haus. Wenn unsere Kinder erwachsen sind, werden die Schatten aus der Vergangenheit verschwunden sein - dessen bin ich mir ganz sicher..."

Dermord nickte, aber in seinem Herzen blieben Zweifel zurück.


Diese Geistergeschichte stammt noch aus der früheren Heimat der Ffynnoughwaith und scheint sehr sehr alt zu sein, weil hier eine Gottheit erwähnt wird, die sie nicht mit sich nahmen. die Priester des Kerwech und die Priesterinnen der Fhionghianna aber wissen noch von jenem Gott Merllwhyr, der über den ihren Stadt und als unerbittlich strafender Göttervater galt. Einer Legende zufolge war das Böse grünäugig und so wurden alle Menschen, die solche besaßen gejagt, und bis gut einhundert Jahre vor der Flucht auch getötet. Dann aber stürzten die Priester und Priesterinnen der Fhionghianna und des Kerwech diesen strafenden Gott und vertrieben seine Priester. Die Gläubigen waren ohnehin in der Minderzahl gegenüber denen des Götterpaares, so daß dieser Umsturz ohne großes Blutvergießen vonstatten ging. Die Urheimat scheint aus verschiedensten Kleinreichen, Domänen, bestanden zu haben, aber darüber berichten andere Legenden mehr.

Aldare Lichtbringerin für die Schule der Menschen und Elfen
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