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Karcanon 419 8-12

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Wolfsmond Adar im Jahr der Geister 419 n.P.:

Aengwyll von Llarn hob den Blick von der Kerze, in die er lange geblickt hatte, weil die Kerzenmacherin vom Platz der Weisen auch mit dieser Kerze irgendeinen besonderen Zauber gewoben zu haben schien, um sich wieder dem Schreiber aus der Botengilde des Meisters Ascapi zuzuwenden, dem er diktierte. „Dass wir den Jahren nicht nur Zahlen zuweisen sondern auch Namen geben, ist keine Marotte der Chronisten. Die verschiedenen Völker und Nationen haben allzumal ihre Jahre unterschiedlich gerechnet, lange war es vielerorts üblich als Zahl zu einem Jahr einfach die Zahl der Jahre zu nehmen, die der derzeitige Herrscher oder seine Familie schon an der Macht war. Diese Zahlen sind dann brauchbar, wenn wir über diesen Herrscher und seine Familie und Regierung genauestens Bescheid wissen. Andernfalls aber sagt diese Zahl nur etwas im Vergleich zu anderen Dokumenten des selben Reiches, nichts aber darüber wann dies in der allgemeinen Zeitrechung einzuordnen ist. Natürlich, da hast du Recht, wenn du sagst,“ (Der Schreiber schwieg beharrlich, wissend dass seine Worte nicht gefragt waren, sondern die des ehrwürdigen Weisen, des bekanntesten Chronisten den Dunster in den zwanzig Jahrzehnten seit den Haengstyr-Kriegen hervorgebracht hatte) „oder denkst, dass auch Namen für die Jahre nur Schall und Rauch sind, weil unterschiedliche Namen in Verwendung kommen. Natürlich wird ein Volk wie die barbarischen Aeri, diese Dämonenanbeter der Großen Ebene, kein Jahr des Buches begehen, auch weil ihnen Bücher fremd sind.“ Wieder fing die Kerze seinen Blick, diesmal dauerte es länger bis Aengwyll sich wieder seinem Schreiber zuwandte. Gewiss waren die Trommeln, die er zu hören glaubte, nur in seinem Geiste zu vernehmen, eine alte Erinnerung wohl. All die Jahre und Jahrzehnte und Jahrhunderte für die er verantwortlich war...

„Zweierlei aber gebe ich dabei zu Protokoll: Zum einen sollte kein Volk die Bücher und ihr Wissen verachten. Gerade jene Barbaren der Aeri sollten das wissen: Ihr Gegner Mardon y'Karthar hat seine Bücher gelesen aus als Kampfbarde die Erfahrung der Jahrhunderte zur Anwendung gebracht. Was er aber alles gegen sie in die Waagschale und in die Große Ebene geworfen hat, Krieger, Reiter, Elitekämpfer und Provinzsoldaten die entschlossen ihre Heimat verteidigen wollten, Heerscharen an Versorgungszügen mit Nahrung und Sold und vielem mehr – all das füllt selbst inzwischen Bände. Und war er damit nicht erfolgreich? Große Verluste hat er einkalkuliert und erlitten und verkraftet, im Wissen dass er dafür den Dämonenanbetern im recht wörtlichen Sinne in weiten Teilen den Boden für ihr Treiben unter den Füssen entzogen hat.“ Eifrig nickte der alte Mann, wie um seine eigenen Worte zu bekräftigen.

„Und das andere?“

Aengwyll war irritiert dass der Schreiber doch eine Stimme hatte, sprach, Fragen stellte. „Was? Welches andere?“

„Ihr sagtet,“ sorgsam las er vor: „Zweierlei aber gebe ich dabei zu Protokoll: Zum einen....“ Fragend sah er zu Aengwyll herüber, fast ein wenig erschrocken über seinen eigenen Mut, den Meister zu unterbrechen. „Was ist das zweite, das andere dabei?“

„Ah ja. Das andere ist, dass egal ob die Barbaren wissen wie ein Buch aussieht oder nicht, ihr Schicksal im Jahr des Buches ganz wesentlich von einem Buch geprägt wurde: Dem BDA.“ „Du weisst es vielleicht nicht, auch wenn es erst wenige Jahre her ist: Das Jahr des Buches verdankt seinen Namen nicht den Chronisten, die hinterher ein Jahr danach benennen wodurch es vor allem geprägt war, sondern wie manches andere Jahr auch den Sternenweisen, die schon seit den Zeiten des großen Thonensen ein Jahr danach benennen, welche Gestirne und Sternbilder einen mystischen oder magischen Einfluss ausüben können und werden, im Voraus sagend welche Symbole über einem Jahr stehen. Im Jahr des Buches aber erschien in den Gebieten Antharlans die an Lapathien grenzen eine Gestalt der Finsternis, ein Wesen namens...“ Er räusperte sich. „Nun wie auch immer, ein Dämon oder Shadda, ein Deddeth oder Schatten, der einen Teil vom BUCH DER ALPTRÄUME besass und beherrschte. Mit der Macht dieses Buches machte er ganze Siedlungen dem Erdboden gleich und lieferte dem Erzmagier des Kaisers und seinem Ring aus zwölf Magiern mehrere schwere Zauberduelle. Wäre das nicht gewesen, so hätten Katuum und sein Zirkel sich früher wie geplant der Großen Ebene zuwenden und die Dämonenplage schon damals bekämpfen können, der Krieg gegen die Aeri wäre ohne das Jahr des Buches rascher und von kaiserlicher Seite beendet worden. So hat es nun fast fünf weitere Jahre und die ganze Kraft des Telidayin gekostet.“

Eifrig notierte der Schreiber jedes Wort. Was er nicht rasch notierte würde er stattdessen rasch vergessen, denn damals bei dem Überfall auf die Botengilde, den die Sicherheitskräfte des Tamarrah Y'Oulon nach Zeugenaussagen dem Baron Rand von Rampendorn zur Last legten, hatte sein Kopf erhebliche Schläge abbekommen. Seit damals auch funktionierte sein Gedächtnis nicht mehr richtig. Meist wusste er noch, dass er nochwas vergessen hatte, dass ihm nochwas fehlte aber seine Erinnerungen an früher waren wie hinter Brandmauern vor ihm verschlossen – und sein Gedächtnis an das heutige zerfloss ihm wie Sand zwischen den Fingern.

„Also notieren wir die Namen und die Zahlen der Jahre, die wir nach Pondaron rechnen, der letzten großen Schlacht des Lichts gegen die Finsternis mit der das Dunkle Zeitalter sein Ende fand, stets gemeinsam, denn wenn es auch manche gibt, die anders zählen, und andere für die etwa das Jahr des Ankers ein Jahr der Wagen oder ein Jahr der Ratten sein mag, so gibt doch die Angabe von Name und Zahl zusammen genug Sicherheit um ein Ereignis auf ein Jahr unserer Zeit festzulegen. Und dies sind für einige der vergangenen und kommenden Jahre die Namen und Zahlen:“

„Nach dem Jahr der Befreiung 401 kam das Jahr des Aufbaus 402, das Jahr der Suchen 403 und das Jahr der Bindungen 404. Dies waren die Jahre des Neubeginns in diesem Jahrhundert. Es folgten:

  • Jahr der Schatten 405 – als Dunkelmond und Lichtmond zur selben Zeit verschwunden waren und die Düsternis den Schattenmächten aufhalf, und der Hohepriester der Schatten mit der Gunst des Vaters der Schlinger erstmals die verbotene Kunst der Nekromantie praktizierte, die ersten Skelette als Krieger zum Silberfluss sendend.
  • Jahr der Generale 406 – als zwanzig Reiche zugleich sich aufmachten, auf merkwürdige Weise gemeinsam handelnd das grösste Reich der Welt anzugreifen und zu verkleinern, das zuviele von ihnen gereizt hatte. General Badulla und General Banser, die Generale Omris und Lucius Thymian waren vier der prägenden Gestalten dieses Jahres.
  • Jahr des Feuers 407 – als am Blutigen Band die Vulkane aufbrachen und mancher Berg sich zum Vulkan wandelte, war der Feuerhund Seths, Arus Ur Eklas, auf der Höhe seiner Macht und sandte die Wergols in alle Welt, gründete ihre zwölf Reiche. Auch Rillannon fiel zu großen Teilen an ihn und der Einfluss der Priester des Göttervaters Chnum schwand im Grünen Meer.
  • Jahr des Hirsches 408 – als mancher ehemalige Herrscher die Freiheit in den Wäldern suchte und sich auch zwei Könige aufmachten, mit einem Schiff über die Welt hinaus zu segeln, waren andere zur gleichen Zeit dabei, Jagd auf edles Wild zu machen.
  • Jahr der Wölfe 409 – als die Barbaren nicht nur Liguriens ihren Kern im Kult des Wolfsgottes wiederentdeckten, die Karini auf einem Höhepunkt ihrer Macht und von einem Wolf geführt waren, machte sich beim Volk der Kinder des Wolfsgottes eine Person auf den Weg der dorthin führte wo diese Person auch heute ist.
  • Jahr des Zweifels 410 – als vielerorts Zweifel bestanden wie die Welt fortbestehen sollte angsichts der Bedrohungen derer sie ausgesetzt war.
  • Jahr der Hoffnung 411 – als die Wahren Orakel der Welt die Zeichen ausgaben, dass es Zeit sei zu handeln um schlimmeres zu vermeiden, schöpften viele Hoffnung aus der Tatsache, dass es möglich ist, durch das eigene Handeln die Welt zu retten. Viele setzten ihre Hoffnung auf einen Friedensbringer, der als die zerstrittenen Reiche des Kontinents gegen die Finsternis einen würde, ein Lichtkönig oder L'umeyn wie einst im Altertum. Die Lichtliga wurde ausgerufen.
  • Jahr des Drachen 412 – als es galt, den Schwarzen Drachen der Finsternis zu bekämpfen, der in Gestalt der obersten Exedrons des Feuerhunds die verschiedensten Völker der Finsternis hinter den Wergols vereinte und drohte, mit den Horden der Unterwelt aus dem Tor von Silur die Welt zu überrennen. Das Tor wurde geschlossen, doch um einen Preis: Die Wergols des Roten Drachen unter Kroddagh und viele andere finstere Wesen gelangten in einem befristeten Friedensvertrag auf den Kontinent. Unterdessen war Averlan von Kelani seinem Traum und der Wanderer Niblon Lilebin seinem Ziel nahe: dem Goldenen Drachen des Glücks.
  • Jahr der Spinne 413 – als riesige Spinnen nicht nur in der Wüste des Schnellen Todes, in Zun, ganze Heere verschlangen, sondern auch auf Schiffen von Hafen zu Hafen kommend viele Städte und ganze Gegenden einsponnen in ihre Fäden und ins Netz der Spinnengöttin, der Urbösen oder wie die Elfen sagen, des 'Nachtgespenst des Unheils', MarLilith.
  • Jahr des Weines 414 – als die Waffenruhe vielerorts begossen werden konnte mit einem der besten Weinjahrgänge seit Jahrzehnten, und der goldene Wein von Cempalen eine Güte erreichte die noch heute dafür sorgt, dass er in Gold aufgewogen werden kann.
  • Jahr des Buches 415 – als die Bibliothek der Universität von Mairuvili verschifft wurde um der Nationalbibliothek zu Carthanc hinzugefügt zu werden, als Splitter des BDA nahe der Orakelebene und beim Auge der See ebenso verwendet wurden wie im Reiche Nebenan für finstere Dinge.
  • Jahr des Waldes 416 – als das Waldheiligtum seine vorerst letzte große Reise machte, ein Baum des Lebens in einer Art Hermexe in Form eines Dragomae, jeden Mond in einem anderen Land und mit bemerkenswerten Mitreisenden, das Jahr in dem auch Diener der Dschungelgöttin Pottundy bemerkenswertes erreichten auf merkwürdigen Wegen.
  • Jahr des Ankers 417 – als vieles, wenn nicht alles Geschehen auf dieser Welt sich auf See abspielte, und die ANTI und ihre Feinde zu Hochformen aufliefen, bevor sie später gegeneinander ausliefen. Im Namen von Norto als Gott des Handels ist so manches Geschäft abgeschlossen worden...
  • Jahr der Krone 418 – als nicht nur der Kaiser von Karcanon sich endlich die Krone des Kaiserreichs auf den Kopf setzen wollte und eine neue statt einer alten Kaiserkrone bekam. In diesem Jahr schlug der Wahnsinn den Hüter Coriganis in Bande, der sich selbst zum Kaiser Coriganis krönte und die Diener Pottundys zu seinen Vollstreckern ernannte.
  • Jahr der Geister 419 – als die Geister der Vergangenheit so manchen Totgeglaubten aus den Schatten wieder aufscheinen liessen, wenn auch nicht unbedingt alle leibhaftig aus den Schatten von Rhim. In diesem Jahr wurden nicht nur die Schreienden Toten beschworen, sondern auch der Geist so manches einstigen Herrschers, der seinen Nachfolgern fehlte.
  • Jahr des Tors 420 – als manche sich uneins waren, wielange man so manchen Tor noch an der Regierung lassen solle, und mancherlei Toren an mancherlei Orten nach der Macht griffen, während andere wiederum nach gewissen Toren auf der Suche waren oder sie benutzten. Wandernde Narren waren gefährlicher als man dachte. Nein, werden gefährlicher, nächstes Jahr, oder nein, streich das besser, streich das alles, Sterndeuterei ist nicht meine Aufgabe. Hast du es gestrichen?“

Wieder blickte der alte Mann eine ganze Weile in die zeitlose Kerze als würde er etwas in der Ferne hören, dann nannte er in rascher Folge die Namen und Zahlen der kommenden Jahre:

Aengwyll sah auf und sich um. Es war dunkel und still. Der Schreiber aber war bereits

eingeschlafen.
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