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Gaya

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Gaya ist als Schwester der Schönheit eine der zwölf Schwestern der Tugend, der heiligen Töchter des Tamithon. Schwerpunkt ihres Kults ist in Nykerien, doch wird sie wie ihre Schwestern auch gerne als Taufpatin neugeborener Adeliger überall in der myranischen Lichtwelt angerufen.

Mythor-Fundort: My121

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Der Tempel der Schönheit Bearbeiten

Berichtet von Silin Kor Barin

Wäre der Name des Erbauers des der Gaya geweihten Tempels der Schönheit heute noch bekannt, so würde er weithin gerühmt werden für seinen erlesenen Geschmack. Als Bauplatz wählte er – oder sie – einen der schönsten Plätze im Machairas des Alten Reiches aus, eine fruchtbare Auenlandschaft mit lieblichen Bächen und blauen Seen inmitten der tiefgrünen Wälder des Unteren Kamango­beckens. Dort wurde die weitläufige Anlage auf der Anhöhe eines sanften, kreisrunden Hügels errichtet, auf dessen Gipfel drei wunderbare Wasser entsprangen, jedes von anderer Art und Temperatur, von denen später noch ausführlicher die Rede sein soll.

Einst war der ganze Komplex von weiten, gepflegten Gärten und Parkanlagen umgeben, durch die breite Pilgerwege mäanderten – vergleichbar den großen Strömen Nykeriens –, die am Fuße des Hügels zusammenführten und mündeten. In den Gärten fanden sich exotische und wunderbare Pflanzen nicht nur aus allen Regionen Nykeriens, sondern auch weit darüber hinaus; noch heute, da diese Gärten in weiten Teilen verwildert und durch die Einwirkung der Zeiten zerstört sind, trifft die Besucherin hier gelegentlich hochgewachsene Bäume, alle Farben des Regenbogens wiederspiegelnde Blumen und geheimnisvolle Kräuter, deren Art anderswo in Nykerien völlig unbekannt ist.

Die Parkanlagen dagegen ahmten die schönsten Landschaften Nykeriens – ob nun des fernen Ophis, des rauhen Westans, des milden Oklis oder des nahen Machairas – en miniature nach, mit all den Gewächsen, die dort zu finden sind. Das ungewöhnlich milde Klima rings um den Tempel erlaubte, selbst die empfindlichen Gewächse der Subtropen hier zu ziehen – obschon sie wohl nicht in gleichem Maße gediehen wie in ihrer Heimat –, zumal man die Wasser der warmen Quelle zwischen ihnen hindurch leitete. Einige von ihnen sind sogar heute noch zwischen den einheimischen Wildgewächsen zu entdecken.

Für die kältesten Wintertage standen in jedem Park palastartige, helle Gebäude, in die die empfind­lichsten Pflanzen verbracht werden konnten; deshalb wurden diese meist auch nicht direkt in den Boden, sondern in gewaltige Kübel und Körbe gepflanzt, die zu Winterbeginn mittels beweglicher Kräne und Flaschenzüge aus dem Boden gehoben und mit Ochsengespannen in ihre Winterpaläste verbracht wurden.

Doch diese Pracht ist leider, wie schon erwähnt, heute dahin. Nur noch kümmerliche, von wildem Wein und Efeu unterschiedlichster Farbe und Gestalt überwachsene Reste der alten Anlagen und Bauten beweisen die Wahrheit der alten Geschichten. Die Landschaft selbst jedoch trägt immer noch die Spuren der kunstvollen Umgestaltung, und das Weiß der Äußeren Mauern des Tempel­komplexes leuchtet wie eh und je mit geradezu magisch anmutender Makellosigkeit über das Land.

Diese Mauern bilden ein gewaltiges Sechseck, dessen Seiten einander exakt gleichen, mit Ausnahme der Seite, in der sich das Goldene Tor zum außerhalb gelegenen Pilgerplatz hin öffnet, auf den die Pilgerstrassen aus den Gärten und Parks schließlich münden. Einst stand dieses Tor immer offen; doch in den Wirren nach dem Zusammenbruch des Reiches fand sich die damalige Hohepriesterin des Tempels gezwungen, es durch eine Holzkonstruktion versperren zu lassen, die ein kleineres, verschließ- und verteidigbares Tor enthält. In jener Zeit ließ man auch Efeu und andere Schling­pflanzen die Äußeren Mauern hinaufkriechen, um ihnen so ihre gleisende und weithin sichtbare Helle zu nehmen; doch nun, nachdem der Tempel unter den Schutz Kamanks gestellt wurde, war der erste Befehl des neuen Hohepriesters, die Ranken herabzureißen. Und wundersamer­weise lösten sie sich schon beim kleinsten Zug, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen, obwohl sie doch zuvor so manchem Sturm getrotzt hatten – ein Zeichen, dass die Gnade Gayas immer noch auf dem Tempel ruhe und ihre Stärke und Schönheit ungebrochen sei, so deuteten dies die Priester und Priesterinnen der Schönheit.

Tritt man nun durch das Goldene Tor, so kommt man auf eine weite, ebene Fläche. Eine Allee herrlichster Kirsch- und Mandelbäume führt geradeaus auf den eigentlichen Tempel zu, doch versperrt ein gewaltiger Springbrunnen diesen Zugang – die erste der Drei Quellen der Gaya –, so dass man nach links oder rechts ausweichen muß. Der alte Brauch verlangt von Männern, den linken Weg, und von den Frauen, den rechten Weg zu wählen. Und gingen sie immer in dieser Richtung weiter, so würden die Männer schließlich auf die Quartiere der Priester auf der linken Innenseite der Außen­mauer, die Frauen aber auf die der weiblichen Priesterschaft auf der rechten Innenseite stoßen. Doch bevor sie diese erreichen, treffen die Pilger und Pilgerinnen jeweils auf eine Säulenreihe, die – ausgehend von den Ecken der Umwallung, in denen die Enden der Tormauer auf die jeweils an­schliessenden Mauern treffen, und von dort auf den Tempel zuführend – auf jeder Seite zunächst zwölf Inkarnationen der Schönheit in Menschengestalt zeigt. Unterhalb dieser Säulenreihe – somit außerhalb der Baumreihen der Allee – führt nun der Weg der Pilger zum Tempel. Die Säulenreihen enden jede an einem Brunnen; auf der linken Seite ist dies ein tiefblauer Quellteich, der grundlos tief zu sein scheint und dessen Wasser selbst im heißesten Sommer eiseskalt ist, doch selbst im tiefsten und frostigsten Winter niemals gefriert. Auf der rechten Seite dagegen steigt immer leichter Dampf von der Mitte der Wasseroberfläche auf, die ansonsten völlig glatt ist.

Am Rand ist dieser Teich seicht, und seine Temperatur ist hier wie die Haut eines Gesunden; dort sind Badebecken eingelassen, denn es heißt, dass das Wasser dieses Teichs geeignet sei, jede Haut­krank­heit zu heilen, besonders aber, wenn die in seinen Uferzonen lebenden Larven der Gayamolche herbei­gelockt werden, um unter der Wasseroberfläche die Haut des Kranken mit ihren Lippen zu kitzeln. Der Mitte zu jedoch nimmt das Wasser eine dunkelgrüne Farbe an, und die Temperatur übersteigt die eines Fieberkranken; der Grund fällt hier steil in unbekannte Tiefen ab.

Beide Quellteiche sind durch einen Querweg miteinander verbunden, und aus beiden Teichen werden entlang dieses Wegs kleine Wasserläufe entlanggeleitet, die sich an jeder Wegkreuzung verzweigen, so dass schließlich entlang aller Wege des Inneren Tempelbezirks ein Graben mit warmen und ein Graben mit kaltem Wasser entlangläuft. Auch sind überall im Hof der Tempelanlage kleine und kunstvollst gestaltete und dreigeteilte Brunnen aufgestellt, aus deren einem Rohr das Wasser der kalten Quelle, aus deren zweitem das der warmen, aus deren drittem und mittlerem aber das sprudelnde Wasser des Springbrunnens fließt. Zu jedem der Rohre gehört ein eigenes Becken, und jedes dieser Becken wiederum hat einen von den anderen getrennten Abfluß, so dass sich die Wasser nicht unversehens vermischen und somit getrennt in die außen liegenden Parks geleitet werden können. Nachdem sich die Pilger an solchen auch um die beiden Quellteiche verteilten Brunnenanlagen gemäß dem Ritus gewaschen und von jedem der Wasser einen Schluck getrunken haben – denn auch die innerliche Anwendung soll den Gläubigen Schönheit bringen – setzen sie ihren Weg zum golden schimmernden Tempel fort. Wurde ihr Weg bisher nur von einer Säulenreihe begrenzt, führt er nun in einem leichten Bogen zwischen weiteren Statuen entlang; die Pilger auf der linken Seite schreiten nun zwischen den Inkarnationen der Schönheit in der Gestalt nicht-menschlicher Rassen, die Pilgerinnen auf der rechten Seite zwischen den Inkarnationen der Schönheit in der Tierwelt entlang, je ein Dutzend links und rechts ihres Weges.

So kommen sie schließlich auf den Tempelvorplatz, der in weißem, grünem und goldfarbenem Marmor ausgelegt ist; der Tempel selbst schimmert in goldenem Perlmutt, dessen Herkunft heute niemand mehr kennt.

Das Innere des Tempels zu schildern, ist in Worten kaum möglich; nur wer selbst dort gewesen ist, vermag die Schönheit und Pracht zu erfassen, und selbst für diese wird die Erinnerung bald verschwimmen, ist sie doch mehr und größer, als ihr Geist erfassen kann. Dennoch soll hier versucht werden, wenigstens Andeutungen zu geben. Wer durch das Tempelportal tritt, kommt in einen licht- und farbendurchflutetenRaum. Eine rund drei Mannslängen hohe, aber nicht bis zur Decke des Saals reichende Wand trennt den Vorraum vom Allerheiligsten, geschmückt mit kunstvollen Fresken, in denen Rot, Grün und Gold auf weißem Grund überwiegen; der Boden besteht aus goldgeädertem Marmor mit eingelassenen Mosaiken. Drei doppelt mannshohe Bogentore durchbrechen diese Wand; das mittlere aus weißem Marmor, das rechte aus rotem Granitsandstein von der Roten Pforte, das linke aus grüngeädertem Quarz von der Grünen Pforte.

Der Boden des Allerheiligsten ist mit hexagonalen Platten aus grünschwarzem Onyx ausgelegt, durch den pastellfarbene, gefliesste Wege zwischen funkelnden Bodenmosaiken aus Chalcedon, Chrysopras, Korund und buntem Glas zu den Altären führen. Durch die bunten Oberlichter in der Saaldecke fallen tagsüber die Strahlen der Sonnen auf die Mosaiken, die Statuen aus Alabaster, Marmor und Gold und die ganzjährig blumengeschmückten Altäre – je nach Tages- und Jahreszeit heben sie ganz bestimmte Details und Motive hervor, so wie es die Erbauer einst geplant hatten. Nachts aber werden Monde und Sterne durch nie verlöschende Fackeln unterstützt, deren blaugrün und rotgelb schimmernde Flammen weder von Öl noch von anderer Flüssigkeit und festen Stoffen gespeist werden. Wie eine Priesterin mir anvertraute, werden durch komplizierte Systeme aus kupfernen Röhren geheimnisvolle Dämpfe aus der Tiefe der Untergeschosse in die Fackeln geleitet. Ein weiter Kreis schlanker Säulen aus goldgeädertem Marmor schwingt sich ringsum empor, deren Stämme sich in luftiger Höhe wie Bäume in ein Netz aus Ästen teilen, die wiederum die weit entfernte Decke stützen. Die schönsten Bilder schmücken die Wände, zwischen ihnen stehen die schönsten Statuen, unter ihnen reiht sich Altar an Altar, alle von Blüten bedeckt und mit Rubinen und Smaragden, Chrysopal und Korund, Chrysopras und Granat besetzt.

In der Mitte aber steht Gaya selbst, das große Sinnbild und Idol der Schönheit. Jeder Besucher erkennt ihre Schönheit, doch keiner vermöchte sie zu beschreiben; jedem erscheint sie als sein Ideal der Schönheit, doch damit auch jedem anders. Die Magie der Göttin selbst leuchtet aus ihr, und jedem – so heißt es, doch selten geschieht das Wunder für andere sichtbar – vermag sie Schönheit zu schenken, ist der oder die Bittstellerin nur reinen, frommen Herzens.

Ich sah ihr elfenbeinernes Gesicht und ihr güldnes Haar; andere sprachen von ihren smaragdenen Augen und rubinroten Haaren; wieder andere erwähnten ihre einer Tänzerin gleichende Gestalt und ihre von Diamanten glitzernden Kleider; und ein Besucher aus dem Ophis bewunderte gar ihre ebenholzfarbene Haut und ihre vollen kirschfarbenen Lippen. All dies mag nicht miteinander vereinbar scheinen, doch es war, was wir sahen, und jede und jeder von uns sah Schönheit. So läßt sich auch das Idol der Göttin der Schönheit nur so beschreiben, dass es die Schönheit selbst darstellt. Die Schönheit ist; doch wie sie sich dem Auge darstellt, das liegt im Herzen des Betrachters.

Auch auf dem Rückweg teilen sich männliche und weibliche Pilger wieder auf, und wieder gehen die Männer nach links und die Frauen nach rechts. So begegnen nun die vom Tempel kommenden, im Lichte der Schönheit gebadeten Männer den nach Schönheit suchenden Frauen und umgekehrt die von der Göttin gesegneten Frauen den ihren Segen suchenden Männern.

Nur diejenigen, die bereits vor dem Besuch des Tempels ein Paar waren und im Tempel ihren Treueschwur erneuert haben, dürfen für den Rückweg den mittleren Pfad benutzen. Schließlich versammeln sich alle heimkehrenden Pilger um den Springbrunnen. Ein Trank aus diesem Brunnen gilt als der traditionelle Abschluß des Tempelbesuchs und verheißt, der inneren Schönheit zum Durchbruch zu verhelfen.
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