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Der Felsenspecht (aus "Tier- und Pflanzenwelt Wu Ya Shans" von Gunda A'Kjarrel, Königliche Ökologin)

Allgemeines: Der Felsenspecht gehört nicht, wie der Name vermuten läßt zu der heiligen Familie der Rabenvögel, sondern ist den Möwen zu zurechnen. Der Name rührt von der Angewohnheit des Vogels her, mit seinen harten Schnabel Bruthöhlen in die Felswände einer Steilküste zu hämmern. Der Felsenspecht ist etwa eineinhalb Fuß (ca 45 Zentimeter) groß. Die Oberseite ist grau gefiedert, die Unterseite weiß. Am Kopf und an den Flügelspitzen trägt er charakteristische Zeichnungen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht. Einen großen Teil des Jahres verbringt der Felsenspecht auf hoher See. Er ernährt sich von kleinen Fischen und von Algen. Er jagt die Fische nicht im Sturzflug, sondern durch Tauchen, was in Hinblick auf sein Balzverhalten sehr eigenartig ist. Balz- und Brutverhalten: Im Frühjahr kehren die ledigen Weibchen als erste an die Küste zurück. Mit ihren Krallen klammern sie sich an kleinen Vorsprüngen in Steilküsten fest und hämmern mit ihren Schnäbeln Bruthöhlen in den Fels. Das Weibchen kehrt dann jedes Jahr in die gleiche Bruthöhle. Ein Paar Felsenspechte bleibt ihr ganzes Leben zusammen. Verwitwete Vögel bleiben allein. Gibt es mehrere Bewerber für die Gunst eines Weibchens, kommt es, da die Männchen nicht mit schönen Gefieder imponieren können, zu einem möglicherweise in der Tierwelt einzigartigen Wettkampf in Form einer Mutprobe. Von der Bruthöhle des Weibchens lassen sich die Kontrahenten in die Tiefe fallen. Wer als erster die Flügel ausbreitet und abdreht hat verloren. Das Weibchen legt drei bis fünf graue Eier, aus denen nach etwa fünf Wochen die Jungvögel schlüpfen. Weibchen und Männchen wechseln sich beim Brüten ab, während der jeweils freie Partner für Nahrung sorgt. Mitte des Sommers verlassen Jung- und Altvögel die Küste wieder, wobei schwächliche Exemplare bald den Anschluß verlieren und zugrunde gehen.

Es gibt in Wu Ya Shan ein Märchen in dem der Felsenspecht vorkommt, weshalb ich es hier kurz wiedergeben möchte. Vor langer Zeit lebte nahe der Steilküste Kiasin ein Mädchen von großer Schönheit. Sie war bei ihrer Geburt dem Nachbarsohn versprochen wurden, doch als sie in das heiratsfähige Alter kam und der Nachbarsohn, der sie sehr liebte, um sie warb, kam ein reicher Gutsbesitzer in das Dorf und als er das Mädchen sah, begehrte er sie ebenfalls. Das Mädchen verliebte sich auch, allerdings in den Reichtum des Gutsbesitzers. Da sie jedoch den Willen ihres inzwischen verstorbenen Vaters nicht völlig mißachten konnte, entschied sie sich, die Männer eine Mutprobe durchstehen zu lassen. Als sie nun darüber nachdachte, wie diese durchzuführen sei, stand sie am Rand von Kiasin fünf Distanten über der Grassee und sah die Felsenspechte sich in die Tiefe stürzen. Da faßte sie einen unglücklichen Entschluß. Die beiden Männer sollten jeder, mit einen von zwei Pferden gezogenen Streitwagen, auf die Steilküste zufahren und der, der als erster abdreht oder abspringt, hat verloren. Dem Jungen war dies nicht geheuer, riskierte er doch das Leben der Pferde, die ihm als Artan-Gläubigen heilig waren, doch da er das Mädchen sehr liebte, willigte er schließlich ein. Am nächsten Morgen trafen die drei sich bei Sonnenaufgang zwei Distanten vor dem Abgrund. Das Mädchen eilte vorraus, um das Startzeichen zu geben und den Sieger festzustellen. Für sie war klar, daß nur der reiche Gutsbesitzer der Mutigere sein konnte. Auf ihr Zeichen preschten die beiden heran, der Gutsbesitzer die Peitsche schwingend, der Junge mit ruhigen Worten die Pferde antreibend. Der Gutsbesitzer sah nur auf den Jungen, auf der Suche nach einem Zeichen des Zögerns, da er auf keinen Fall vor diesem abzuspringen gedachte. Der Junge, den Blick starr auf die nahende Klippe gerichtet, kämpfte mit seiner Angst. Im letzten möglichen Moment sprang er ab und überließ die Tiere weinend den Tod. Der Gutsbesitzer, der auf jeden Fall gewinnen wollte, verpasste diese Möglichkeit um den Bruchteil einer Sekunde und stürzte in sein Verderben. Lange war sein Schrei zu hören, während er fiel. Das Mädchen war zornig und schimpfte den Gutsbesitzer einen Versager und den Jungen, der sie trösten wollte einen einfältigen Trottel und sie schrie ihm ins Gesicht, daß sie nicht im Traum daran dächte ihn zu heiraten. Er sah ihr in die Augen und erkannte ihren wahren Charakter. Traurig wandte er sich ab und ging nach Hause. Einige Zeit später heiratete er eine andere Frau, welche ihn sehr liebte, und Jahrzehnte später starb er in Armut aber glücklich. Das Mädchen hingegen fand zwar ihren reichen Prinzen, war aber selten glücklich. Und als Horcan sie in die Unterwelt bringen wollte, kam Artan, der Gerechteste, und hieß Horcan sie zurück zu bringen, um sie schon in dieser Welt für ihre Sünden gegen dem Jungen und den Pferden zu strafen. So wurde sie wiedergeboren in den Körper eines Felsenspechtes und wieder mußte sie mit ansehen, wie sich ein Männchen für sie in den Tod stürzte und wieder verschmähte sie den überlebenden Verlierer. Und wie es bei den Felsenspecht-Witwen Brauch ist, mußte sie ihr Leben alleine fristen. Und Artan verurteilte nun ihre Seele dazu, nach jedem Tod zu einem neuen Felsenspecht-Küken zu wandern und bei jeder Balz das gleiche zu erleben, solange bis ihr Stolz gebrochen wird und sie den Verlierer als Gemahl akzeptiert. Noch heute, so wird gesagt, kann man in manchen Jahren im Frühjahr, zur Balzzeit, den klagenden Schrei der Felsenspecht-Witwe über der Steilküste Kiasin hören.


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