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Faraljan

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Staatsform / Gov.: k.A. / n.s.
Herrscher / Ruler: k.A. / n.s.
Hauptstadt / Capital: k.A. / n.s.
Bündnisse / Alliances: k.A. / n.s.
Segment: Karnicon


Faraljan war zu Pondaron eine der Bastionen des Lichts, beherrscht von mächtigen Zauberinnen.

Sie setzten ihre Kräfte ein, um einen der damaligen Heerführer der Finsternis, den Dularothomae, in seine Grenzen zu verweisen. Sie bewegten die Erde Myras selbst und liessen große Teile des Reichs der Finsternis auf Chelo-darn von den Fluten des Meeres reinigen. Doch dies bedeutete nicht nur das Ende für große Teile der Heerscharen der Finsternis, auch große Teile des lichten Kaiserreichs Denalgé und Faraljan selbst wurden vom Meer überspült.

Es heißt, Faraljan sei damals untergegangen - doch bringen immer wieder Seefahrer Geschichten heim von einer geheimnisvollen Insel mit steilen Küsten, bewohnt von Weisen vieler Völker. Diese Insel, die mal hier, mal dort gesucht wird, aber wird von ihren Bewohnern als Faraljan bezeichnet.

Die Legenden von Faraljan Bearbeiten

Der Untergang Faraljans Bearbeiten

Irgendwo auf Karnicon, 420 n.P.

Neugierig scharten sich die Kinder um den Mann, der in der Ecke neben dem Feuer sorgfältig seine Laute stimmte. Doch nicht nur sie hofften, daß der Fremde, der heute Morgen ins Dorf gekommen war, noch die eine oder andere Geschichte oder das eine oder andere Lied von sich geben würde, bevor er das Dorf wieder verließ: Die Erwachsenen wahrten zwar höflich Abstand, aber immer wieder wanderten verstohlene Blicke in Richtung des Feuers. Die Gespräche ebbten immer wieder ab, in der Hoffnung, daß der Barde endlich anfangen würde zu erzählen. Schließlich wagte eines der jungen Mädchen, den Fremden anzusprechen: "Ihr seid sicherlich weit herumgekommen, Herr Barde", sagte sie zaghaft, "wollt Ihr uns nicht eine Geschichte von fernen Ländern oder vergangenen Zeiten erzählen, die keiner von uns je gesehen hat?" Der Mann hob den Kopf. Saphirblaue Augen hielten den Blick des Mädchens für einen Moment gefangen. "Eine Geschichte von fernen Ländern und vergangenen Zeiten?" fragte er lächelnd, "wie Ihr wollt, holde Maid." Und, die Augen immer auf die Schöne gerichtet, als ob seine Worte nur ihr galten, erhob er seine tiefe, klangvolle Stimme und begann zu erzählen:

„Als die Ritter des Lichts - unter ihnen Gwyddion ter Maer von Edor - Dularothomae, den Schattenpriester, aus seiner Burg Aict-Wellor in den Nebelsümpfen vertrieben, atmete Gwynddor auf - wenn auch nur kurz. Der Dul aber entfloh in Gestalt eines untoten Schatten und suchte sich eine neue Heimat. Dies wurde Chelo-darn zum Verhängnis. Im Velatorgebirge setzte sich der Herr der Schatten zur Ruhe und gründete das Reich Kriegoria. Von dort aus holte er vereint mit den übrigen Mächten der Finsternis zum Schlag aus: Es kam zu der großen Schlacht zwischen Licht und Finsternis, die man heute als "Allumeddon" kennt: Schon zu Beginn stand die Schlacht unter einem dunklen Stern - in der großen Schlacht am Hochmoor von Dhuannin in Rodebran liefen mehr als 100.000 Streiter des Lichts ins Verderben. Doch dies war erst der Anfang. Die in 50.000 Jahren gesammelten Schatten der Alpträume aus dem "Buch der Alpträume" wurden freigesetzt. Riesige Schlachten wurden geschlagen, und immer unterlag die Seite des Lichts. Der erste Deddeth seit Menschengedenken wurde um Kratau gesehen. Die schwarze Wolke verdunkelte den Himmel und fraß die Seelen aller Wesen, die es berührte. Fast wäre alles Leben auf Myra vernichtet worden, doch die Götter riefen in höchster Not den Lichtboten. Dieser erschien und verwandelte den drohenden Sieg der Finsternis in ein Unentschieden, indem der die Schattenzone auflöste und den Darkon tötete. Doch der Preis hierfür war hoch: Das Chaos der Schattenzone verbreitete sich nun über die Welt. Gorgon und Vanga kehrten auf die Welt zurück und prallten ungehemmt aufeinander. Die Götter zogen sich von uns zurück, und viele Myraner vergaßen die Götter. Der Begriff 'Alte Götter' stammt aus dieser Zeit, denn so nannten damals die Ungläubigen die verloren geglaubten Götter. Auch die letzten nicht finsteren Eytas, die halbgöttlichen Aegyr, die Drachen, die Einhörner und die meisten anderen magischen Wesen verschwanden. Erdbeben, Vulkanausbrüche und andere Naturkatastrophen erschütterten Myra. All jene magischen Tore nach Vangor, die lange Zeit geschlossen gewesen waren, öffneten sich, und ein riesiger Flüchtlingsstrom ergoß sich über Myra, vor allem über den Literaria-Archipel im Machairas. Seitdem heißt diese Inselgruppe Asylia-Archipel. Die Welt, wie sie bislang gekannt wurde, zerfiel. Das Dunkle Zeitalter hatte begonnen. Ihr fragt Euch nun sicher, warum ich Euch diese Geschichte erzähle, die Ihr alle nur zu genau kennt. Aber dies ist nur der Rahmen für meine eigentliche Geschichte, und die ist - so glaube ich - weniger Personen bekannt: Eine der Gegenden Myras, die am schlimmsten vom Einbruch des Dunklen Zeitalters getroffen wurde, war Chelo-darn, denn der Dul, der sich sicher in den verborgensten Höhen des Velatorgebirges eingenistet hatte, jagte seine tobenden Dämonenhorden über das Land. Diese verschlangen alles Leben, das sie ihn die Finger bekamen. Aus den Sümpfen stiegen die gefürchteten Todesgeister empor und trieben die Menschen in den Wahnsinn. Dunkle Schatten krochen über das Land und stöberten auch diejenigen auf, die sich in die verborgendsten Winkel verkrochen hatten. Nicht zuletzt versetzten Orks und Goblins und andere üble Krieger der Finsternis das Land in Angst und Schrecken. So gelang es dem Schattenpriester, Chelo-darn und weite Teile Karcanons zu beherrschen. Und nur wenige Inseln der Zivilisation konnten dem Wüten der Finsternis standhalten: Die stolzen Rittern Denalgês verteidigten ihre Heimat erfolgreich mit dem Schwert. Andilev verschanzte sich hinter seinen Palisaden. Die Garonen wurden wieder zu Nomaden. Und auch einige wenige andere konnten vorerst die Düsternis abwehren. Hundertzwanzig Jahre schon dauerte der wütende Ansturm auf die letzten Bastionen des Lichts. Hunderttausende waren gefallen. Hunderttausende hatten die Dämonen in den Wahnsinn getrieben. Ganze Familien, ganze Königshäuser, ganze Reiche waren ausgelöscht worden. Langsam wurde die Kraft auch der letzten Inseln der Zivilisation ausgehöhlt. Als sie dies aber erkannten, beschlossen die übriggebliebenen Reiche auf Chelo-darn, einen letzten verzweifelten Schlag zu versuchen, bevor auch sie von der Bildfläche verschwinden würden. Auch diese Geschichte kennt Ihr: Aaron der Weise, der größte Druide von Dandairia und Hüter des Orakels von Asfarlon, führte alle magisch Begabten von Chelo-darn an. Jedes Reich schickte seine Heere, um die Gefahr zu bannen. Mit vereinter Kraft von Schwert und Magie wurden die Horden der Finsternis geschlagen und der Dul in das Verlatorgebirge zurückgetrieben. Doch der Preis hierfür war hoch: Unzählbar viele Personen starben - nicht nur Krieger sondern ebenso andere. Und zahlreiche Zivilsationen gingen unter, so etwa Denalgê. Was aber nur wenige wissen, ist, daß ein Land einen besonders hohen Preis bezahlte, nämlich Faraljan. Faraljan wurde regiert von zwei Schwestern, die beide mächtige Magierinnen waren. Die eine war Zaraija, die man auch "Schwester der Nacht" nannte, weil sie ihr Leben Syrenia geweiht hatte. Die andere war Zulamija, die man auch "Schwester des Tages" nannte, weil ihr Leben Putrexia geweiht war. Während des Dunklen Zeitalter hatte Syrenia Faraljan sorgsam in Vergessen gehüllt, und wenn doch ein Funke Düsternis nach Faraljan schwappte, so konnte er nicht lange Putrexias Frieden widerstehen. Man sagt, die Schwestern hätten sich einst gestritten und könnten nie wieder amselben Ort weilen. Doch als Pondaron nahte, waren sie so eins, wie sie es in der Zeit gewesen waren, als sie Faraljan aus den Tiefen des Ozeans gehoben hatten. Denn Syrenia und Putrexia hatten ihnen eine Gabe geschenkt, die umso mächtiger war, je vereinter Zaraija und Zulamija handelten: die Gabe, das Land zu verschieben. Diese Gabe war es, die Chelo-darn rettete und Faraljan zerstörte. Als Aaron der Weise begann, die Krieger des Lichts auf Chelo-darn zu sammeln, erkannte er mit Schrecken, daß die Kräfte des Lichts niemals ausreichen würden, um die Horden der Finsternis zu bannen. Aaron wollte den Kampf schon verloren geben, als Zaraija und Zulamija auftauchten und ihr letztes Opfer darbrachten: Mit der gemeinsamen Kraft, die ihnen die Götter geschenkt hatten, verschoben sie ein letztes Mal das Land. Sie versenkten ganze Landstriche im Meer, in denen die Dämonen des Schattenpriesters alles Leben vernichtet hatten und nun hausten - im kühlen Wasser des Ozean verlosch auch das schwärzeste Feuer der Nacht. Sie legten die Sümpfe trocken, in denen die Todesgeister hausten, indem sie sie emporhoben - und kein einziger Geist stieg mehr empor. Viel höher noch hoben sie andere Gegenden empor und ließen Hügel und Berge entstehen - und die Geister der Luft wurden eingeschlossen in ewigem Gestein. Schließlich ließen zogen sie riesige Bergketten um das Velator-Gebirge, und die Krieger des Herrn der Schatten wurden noch tiefer in den Höhen des Gebirges einschlossen. Viele Wochen wirkten die Göttinnen durch die Schwestern, und als sie ihr Werk vollendet hatten, waren die Truppen des Dularothomae so weit geschrumpft, daß neue Hoffnung bestand. Und Aaron der Weise konnte nun die Kräfte des Lichts sammeln für eine Schlacht, die die Finsternis noch nicht sicher gewonnen hatte. Zaraija und Zulamija indes hatten bei dem Versuch, die Struktur eines ganzen Kontinents zu verschieben, auf alle Kräfte zurückgegriffen, die sie besaßen. In dieser Anstrengung hatten sie auch die Kraft verbraucht, die ihr Leben war. Als sie ihr Werk vollendet hatten, waren sie in den Schoß der Großen Mutter zurückgekehrt, und Faraljan war wieder im Meer versunken. Dies ist die Legende vom Untergang Faraljans, wie man sie sich in meiner Heimat erzählt.“


Die zweite Rache der Namenlosen Bearbeiten

Irgendwo auf Karnicon, 420 n.P.

"Großmutter", fragte der kleine Elyan, "wieso sehen wir eigentlich so anders aus als die anderen Kinder im Dorf?" - "Weil", antwortete lächelnd die Alte, "unsere Vorfahren nicht von hierher kommen. Sie kamen von weit, weit her." - "Aber woher denn nur? Und warum sind sie nicht geblieben, wo sie herkamen?" - "Das", erwiderte die Alte, "ist eine lange und traurige Geschichte. In der Tat weiß ich nicht einmal, ob die Geschichte der Wahrheit entspricht, denn die Ereignisse, von denen sie berichtet, geschahen vor so langer Zeit, daß es auch gut sein, daß es sich um eine Legende handelt." - "Das ist mir egal! Oh, bitte, bitte Großmutter! Erzähl' sie doch!" - "Von mir aus", war die Antwort, "aber nicht, daß du nachher weinst." Und weil der kleine Elyan beteuerte, daß er schon groß sei und ganz bestimmt nicht weinen würde, begann die Alte zu erzählen:

„Vor langer, langer Zeit gab es einst ein Land, das hieß Faraljan. So groß war das Land, daß die Gebirge des hohen Machairas von ewigem Eis bedeckt waren, so daß man sich in warme Felle hüllen mußte, um nicht zu erfrieren, während einem im Ophis die heiße Wüstensonne das Gesicht verbrannte, wenn man vergaß, den Kopf zu bedecken. Am schönsten war aber die Mitte des Reiches. Dort gab es fruchtbare Ebenen und sanfte Täler. So unterschiedlich das Land selbst war, so unterschiedlich waren auch die Frauen, die es beherrschten. Mitten in den eisigen Machairaswinden, unter den kalten Sternen des Nachthimmels thronte auf dem höchsten aller Berge einsam Zaraija. Zart und kühl wie eine Eisblume war sie. In ihren Augen ruhten die Erfahrungen von Jahrhunderten. Ihr Verstand war so klar und scharf wie die Luft in einer Winternacht. Und so kann es niemand wundern, daß Syrenia, die Weise, sie erwählt hatte. So verschieden Nacht und Tag, Winter und Sommer sind, so waren es auch Zaraija und ihre Schwester, Zulamija, die im tiefen Ophis im glühenden Wüstenstand heimisch war. In den Jahrhunderten hatte sich Zulamijas Leben vollgesogen mit Liebe, und Liebe versprühte sie. Mit Putrexias sanfter Hand berührte sie alles Leben und heilte des Zerbrochene. Einst, als Allumeddon begann, hatte die Namenlose die Schwestern durch Eifersucht entzweit. Bitter war der Streit gewesen, den Zaraija und Zulamija geführt hatten, und viel hatten sie zerstört. Befreit vom Zauber der Schwarzen Mutter, hatten die Schwestern ihr Fehlen erkannt und bereut. Doch nie wieder, so ward bestimmt, durften sie ohne Strafe amselben Ort weilen. Und so herrschte Zaraija über Faraljan im Winter und Zulamija im Sommer. Und als das Dunkle Zeitalter begann, war Faraljan erneut ein Ort des Friedens und der Weisheit. Dem Flüchtigen wurde Obdacht gewährt, dem Hungrigen Nahrung gegeben und dem Verzweifelten Hoffnung. Wie ein zorniger Sturm umtobten Chaos und Zerstörung Faraljan, doch Eintracht und Liebe der Schwestern wehrten alles ab. Eines Tages indes schwappte doch ein Tropfen Chaos nach Faraljan über, und sein Name war Düsternis: Die Schwarze Mutter hatte sich eingeschlichen in den Frieden Faraljans. Die Namenlose war auf einem der Tausend Schleichwege des Verrats gekommen, die nur sie kennt. Denn groß war ihr Zorn, daß sie ihr Werk der Zerstörung in Faraljan noch nicht vollendet hatte. Nun befand die Schwarze, daß die Zeit günstig wie noch nie war, um zum letzten Schlag anzusetzen. Mah'hadir, der schönste aller Männer, ebenso geliebt von der kühlen Sanftheit der Nacht wie der glühenden Leidenschaft des Tages, war in den Schoß der Großen Mutter zurückgekehrt. Jedes Lebewesen hat seine Zeit, um zu gehen. Doch oft schenkt Dena denen, die von der Hand ihrer Töchter Syrenia und Putrexia berührt wurden, ein längeres Leben, damit sie mehr Zeit haben, den Schmerz der Welt zu lindern und die Lasten zu tragen, die ihnen die Große Mutter auferlegt hat. So war es auch mit Zaraija und Zulamija. Und so kam es, daß Mah'hadir alt geworden war und nach einem langen Leben voll Glück und Erfüllung sanft entschlief. Für Zaraija und Zulamija dagegen war nur ein kurzer Augenblick ihres äonenlangen Lebens vergangen. Unsäglich war der Schmerz, den sie empfanden, als sie erkannten, daß das Glück der Liebe vorübergeweht war wie ein flüchtiger Sommerwind. Noch tiefer in die Einsamkeit des glitzernden Schnees zog sich Zaraija zurück, um den Kummer unter der dicken Eisschicht der Vernunft zu verbergen. Und tiefe Ströme aus Zulamijas bitteren Tränen der Verzweiflung belebten die Wüste des Ophis. Dies war der Augenblick, in dem die Schwarze Mutter kam, um ihr Werk zu vollenden. Wie die Nachtkrähe flog die Namenlose in den Winter des Machairas. Mit dem Kreischen der Nacht landete sie auf Zaraijas Schulter. "Es war deine Schwester, die Mah'hadirs Tod verursacht hat. Sie sog das Leben aus ihm heraus", flüsterte die Schwarze Mutter dem Kind der Nacht ins Ohr. Verführerisch ist die Stimme der Namenlosen. Durch die geheimen Hintertüren unseres Wesens dringt sie ein in unser Herz und sät Haß und Verrat. Fast nie merkt ein Kind Denas, daß die Worte der Schwarzen es locken, bevor es sich in ihren klebrigen Netzen des Mißtrauens und Zorns bereits hoffnungslos verfangen hat. Leichte Beute, so dachte die Schwarze Mutter, würde sie mit Zaraija haben, denn Zaraija war ein Kind der Nacht. Dies war der große Irrtum der Namenlosen, denn für sie bedeutete Nacht nur die Schwärze und Finsternis von Haß und Zerstörung. Vergessen hatte die Namenlose die andere Nacht, die helle, klare. Vergessen hatte die Namenlose die Sterne und Monde, die den Kindern Denas leuchten und den Weg weisen. Vergessen hatte die Namenlose, daß die Einsamkeit der Nacht dem Verstand Klarheit und Weitsicht verschaffen kann. Kein Kind der finstren Nacht war Zaraija, sondern eines jener hellen Nächte. Und so lachte die Tochter der Wahrheit nur voll Bitterkeit: "Geh fort, Krähe! Alle Wesen, die leben, sterben. Mah'hadirs Zeit war gekommen. Meine Schwester ist ebenso schuldlos an seinem Tode wie ich." Und wütend kreischend zog die Krähe von dannen, begriff sie doch nicht, warum sie gescheitert war. Zaraijas Schmerz aber war so groß, daß sie nicht erkannte, wer gerade zu ihr gesprochen hatte. Und so konnte die Schwarze Mutter ungehindert gen Ophis ziehen. Wütend war sie, dachte sie doch, daß es ihr niemals gelingen würde, die Tochter des Friedens zu einem Werk des Hasses zu verleiten. Doch zäh ist die Schwarze Mutter, ebenso wie sie heimtückisch ist. Deshalb gab sie nichts auf, bevor sie nicht alles versucht hatte. In Gestalt einer Schlange kroch sie vor den Thron, auf dem Zulamija bebend saß. "Es war deine Schwester, die Mah'hadirs Tod verursacht hat. Durch die Kälte ihres Herzens brach sie sein Herz", zischelte die Schlange. Zulamijas Herz war voll Frieden. Lebensfreude und Liebe sprudelten aus ihm heraus wie die Tausend Quellen des Frühlings und belebten alles, was gedieh. Doch oft ist unsere größte Stärke auch unsere größte Schwäche. So auch bei Zulamija. So voll war ihr Herz von Liebe, daß ihr Kummer um Mah'hadirs Tod sie blendete. Die Leidenschaft, die Gefühlen innewohnt, macht den Grat zwischen Liebe und Haß so schmal wie die Trennlinie zwischen Himmel und Erde. So fand die Saat der Namenlosen fruchtbaren Boden. Und voll irregeleitetem Zorn flog Zulamija gen Machairas, den Tod Mah'hadirs an ihrer Schwester zu rächen. Die lodernde Glut des Hasses schmolz die erste Eisschicht des Grams, die Zaraijas Herz umhüllte, und als ihre Schwester bebend vor Zorn vor ihr stand, begriff das Kinder der Nacht endlich. Kühl und klar, klirrend wie der Frost des Winters waren Zaraijas Worte, als sie sprach: "Es war nicht ich, die ihn tötete." Doch Zulamija hörte nicht in ihrer Blindheit. Mit der Verzweiflung derer, die glauben, alles verloren zu haben, flocht sie einen Zauber, der ihre Schwester töten sollte. Mit der Kälte des Winters brachte Zaraijas Hand den wütenden Blitz zum Gefrieren. Doch gleichzeitig schmolz das ewige Eis des Machairas, und die Winter der Jahrhunderte überschwemmten in tausend Fluten Faraljan. "Mah'hadirs Zeit war gekommen", hauchte Zaraija, ihre Stimme geheimnisvoll wie der Winterwind. Doch in der Blindheit des Grams warf Zulamija einen weiteren Zauber auf ihre Schwester. Mit der Stille der Nacht erstickte Zaraija die lodernde Flamme des Zorns. Doch gleichzeitig wälzte sich der brennende Wüstensturm über Faraljans fruchtbare Felder. "Es ist die Namenlose, die dich mit Blindheit schlug", hallte Zaraijas Stimme der Vernunft in Zulamijas verlorenem Geist. Doch mit der gedankenlosen Zielstrebigkeit derer, die sich verirrt haben, warf Zulamika einen dritten Zauber auf Zaraija. Mit der Standfestigkeit der Wahrheit brachte Zaraijas Geist die Erschütterungen des Wahnsinns zum Ruhen. Doch gleichzeitig bebte die Erde und riß auf. Die kalten Fluten des Meeres stürzten über Faraljan herein. Wer nicht floh, ertrank. Immer noch blind, erhob Zulamija die Hand, um einen letzten Zauber zu sprechen, der ihre Schwester töten wurde. Und endlich, endlich war die letzte der Eisschichten geschmolzen, die Zaraijas Herz seit dem Tode Mah'hadirs so kalt und hart gemacht hatten wie gefrorenen Stahl. In der Verweiflung der Sterbenden schrie sie: "Oh Schwester, halt ein! Ich liebe dich doch!" Und endlich, endlich fiel der Zauber der Namenlosen von Zulamija ab. Ihr Blick wurde klarer, und ihm letzten Moment hielt sie inne. Schluchzend wollte Zulamija die Schwester in die Arme nehmen, doch dann sah sie sich um. Sie hatte den Frieden Putrexias mit der Sanften eigenen Gaben gestört. Und im Zorn des Augenblicks hatte sie Faraljan zerstört. Imselben Meer, aus dem sie einst in Eintracht mit der Schwester das Land gehoben hatte, war das Land wieder versunken. Nur der einsame Gipfel des höchsten Berges, auf dem Schwester Schwester hatte töten wollen, stand noch, einem Mahnmal gleich. Und mit Tränen in den Augen erkannte Zulamija die Einsamkeit, die ihren Geist umgab. Putrexia war von ihr gegangen. Sie hatte alles verloren. Zerstört durch eigene Hand. Zulamija senkte in später Demut den Kopf. Sie erkannte, daß sie gehen mußte. Kein Platz mehr war hier für sie, denn sie konnte den letzten Faraljanern keinen Schutz mehr vor der Brandung der Finsternis gewähren. Bliebe sie, würde ihre Anwesenheit Zaraija den letzten Funken Kraft rauben, und auch das letzte Gebirge würde in den Strudel der Finsternis gezogen. Bevor Zulamija sich umdrehte, blickte sie noch ein letztes Mal auf. Und durch den Schleier der Verzweiflung erspähte sie verschwommen den letzten Funken Hoffnung. Sie hatte nicht alles verloren. Vor ihr glitzerten die liebenden Augen ihrer Schwester. "Ich werde auf dich warten", flüsterte der sanfte Nachtwind, der Zaraijas Stimme war, "bis du den Frieden wiedergefunden hast. Und vergiß nicht, so wie die Sterne der Nacht den Verirrten nie verlassen, so werde ich auch dich nicht verlassen." Der kühle Abendwind umstreichelte Zulamijas Wangen wie eine verabschiedende Umarmung. "Ich werde wiederkehren, wenn ich den Frieden gefunden habe", hauchte sie und drehte sich um. Und so zog Zulamija hinaus, mitten hinein in die Dunkelheit, um in den Weiten der Welt den Frieden und die Liebe Putrexias zu suchen, die sie einst gekannt aber verloren hatte.“

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