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Fahrendes Volk

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Gaukler und Fahrendes Volk - nicht zu verwechseln mit den Nomaden.

Im Hinterland Kamanks ist das Leben oft ruhig, sehr ruhig. Es ist kein schlechtes Leben – der Boden ist fruchtbar, das Klima vergleichsweise mild und ausgeglichen, und die Ernten reichlich. Doch Neues passiert hier selten, und Nachrichten aus den Metropolen erreichen die Dörfer erst spät.

Zum Glück aber gibt es das Fahrende Volk. Vom Frühjahr bis zum Herbst sind die Kompanien der Gaukler unterwegs, um in Balladen die neuesten Geschehnisse aus der weiten Welt zu verkünden, Messer und Äxte zu schleifen, Töpfe und Pfannen zu flicken, Kunststücke und exotische Bestien vorzuführen, Feuer zu schlucken und Schwerter zu jonglieren, Dramen und Komödien aufzuführen und so weiter und so fort.

Sehr fremdartig sehen einige von ihnen aus. Manche, so heißt es, kommen aus den wilden Gebieten jenseits der Kamango-Berge – auch wenn ich selbst dort selten Menschen oder andere Wesen solcher Art sah. Doch viele wuchsen wohl selbst einst auf einem Dorf im Kamango-Tal auf, und ich vermute, einige der exotischer aussehenden Gaukler gewannen dieses Aussehen erst im Laufe ihres Gauklerlebens.

Obwohl aber die Bauern den Fahrenden nicht recht trauen und darauf achten, dass alles Wertvolle wohl verschlossen sind, wenn deren Wagen in der Gegend unterwegs sind, und die Eier doppelt zählen, sind die Kompanien doch sehr beliebt und viele ihrer Mitglieder hochgeachtet. Die Hufschmiede in den größeren Siedlungen mögen Meister in ihrem Fach und befähigte Heiler sein, doch selten sind ihre Messer so scharf wie die der Fahrenden, und so günstig wie deren Kesselflicker sind sie auch nicht. Vor allem aber begeistern sich Tal-Kamanki, Brinn und Silvri für die Pferde-Dressuren, die hochlandbewohnenden Brinn und Kerenn oft auch für die wagemutigen Seiltänzer, Pisceroi, Kimbroni und Kamanki für die Berglöwendressuren und alle für die atemberaubenden Artistiken, die viele Kompanien im Programm haben.

Solch erstaunliche und unterhaltende Leistungen stehen generell hoch im Kurs und haben Eingang auch in die allgemeine Volkskultur gefunden: Akrobatische und sportliche Fähigkeiten aller Art heben das Ansehen eines Kamanki, vor allem, wenn er einen Preis für seinen Clan oder sein Dorf bei den regelmäßigen Sportfesten und Spielen geholt hat, ob nun bei einer der regionalen Veranstaltungen oder bei den alle drei Jahre stattfindenden Großen Spielen in Kamank. Besonders beliebt sind Demonstrationen der reiterlichen Fähigkeiten und überhaupt des gekonnten Umgangs mit Tieren. Sein Pferd komplizierte Tänze fehlerfrei absolvieren zu lassen; einen schwierigen Parcours mit Hindernissen in schnellstmöglicher Form zu überwinden (wobei die Form weniger wichtig als die Geschwindigkeit und die Gewitztheit ist); auf den Rücken galloppierender Pferde waghalsige Kunststücke zu vollführen — all das ist fast so viel wert wie ein Sieg bei den leidenschaftlich bewetteten Pferderennen. Denn auch das Herausfordern des Glücks bei Spiel und Wette ist eine Leidenschaft der Kamanki, die nicht nur gesellschaftlich anerkannt ist, sondern einigen geradezu als gottesdienstliche Pflicht gilt.

Bewundert werden aber auch die Taschenspieler, vor allem, wenn der Übergang von Fingerfertigkeit zur Magie ihren Vorstellungen nahezu fließend erscheint. Dazu die Zielsicherheit der Messerwerfer, die Tolpatschigkeit der Clowns, die Virtuosität der zu jeder Kompanie gehörenden Musiker, das Talent der Mitglieder der Schauspiel-Kompanien – die eine eigene Gruppe innerhalb des Fahrenden Volks bilden –, die Exotik der Menagerien und fremdartigen Wesen, und so weiter und so fort ...

Und so schätzt sich trotz des zweifelhaften Rufs dieser unsteten Menschen – angeblich, so erzählen sich die Bauern gegenseitig, nehmen sie sich, was ihr Begehren weckt und nicht niet- und nagelfest ist – jedes Dorf glücklich und wohlhabend, das im Jahr von mehr als einer Kompanie besucht wird. Und meist sind die Verluste ohnehin geringer als erwartet, denn die meisten sind besser und ehrlicher als ihr Ruf. Oder zumindest weniger wagemutig, gibt es doch bequemere Wege, die Gimpel zu schröpfen – die Wettlust der Kamanki gibt genügend Möglichkeiten, ihnen beim Spiel das Geld aus der Tasche zu ziehen. Daher sind es wohl wirklich die wohlhabenderen Dörfer, die zwei- oder dreimal im Jahr solcherart Besuch bekommen, und nach jedem Besuch ist einige Wochen deutlich weniger Silber als sonst üblich im Umlauf.

(aus: Impressionen – Die Reiseberichte des Son Nimra)
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