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Eskirn Rhe ist eine Person auf Kiombael. Er ist ein Totemdruide, ein Druide, der in besonderer Art und Weise mit seinem Totemtier verbunden ist. Gegenwärtig, im Jahre 436 n.P. ist er gelegentlich in der Wahrung zu finden.

Der Aufbruch von Eskirn Rrhe Bearbeiten

Gewaltig war der Sturz, der mich aus meinen Träumen riss, nur um mich in neue Schrecken zu stoßen. Es begann mit einem Knacken und Bersten, das ich mehr durch das Holz meiner Baumhöhle wahrnahm als durch die Luft, die angefüllt war mit dem Toben des Gewittersturmes. Dann fühlte ich meine Baumhöhle sich neigen und hörte das Splittern und Bersten der großen Äste, während die Blätter meines Baumheimes durch die Zweige der geringeren Wipfel ringsum wischten. Schrille Schreie der Furcht erleuchteten meine Kammer, während mein Haus sich um mich drehte und ich mit meinem Baum frei über den Abgrund fiel. Meine Schwingen verfingen sich in meiner Hängematte, die sich um mich wickelte. Dann ein unsagbares Geräusch als mein Baum auf die Erde schellte und endlich finstere Stille als die Bewusstlosigkeit über mir zusammen schlug.

Ich erwachte im Dämmerlicht, im eiskalten Wasser des Gebirgsbaches meines Tales. Entsetzt wühlte ich mich aus meiner Hängematte, die sich um mich verknotet hatte, ein fürchterlicher Kampf im kalten Nass. Ich flüchtete mich aufs Ufer.

Ich betastete meinen Körper und reckte mich furchtsam. Mein Kopf schmerzte und mir war speiübel.

Neben mir lag die Ruine meines Hauses und der geborstene Stamm des Baumes, der es drei Jahre lang getragen hatte. Es war ein ausgezeichnetes Heim gewesen, hundert Fuß hoch im Baum und tausend Fuß über dem Abgrund, dort wo ein unzugängliches Hängetal in eine der vielen Rinnen tritt, die sich aus den Drachenkamm hinunter ins Tiefland ziehen.

Dieses Unglück war ein Zeichen. Mein Tal sagte mir, dass ich es verlassen und meine Aufgabe beginnen muss. Drei Jahre lebte ich alleine in meinem Bergnest, in der Gesellschaft von Tieren und Pflanzen, von Wasser, Wald und Bergen. Ich hatte hier mein Totem gefunden, die Fledermaus.

Meine Ruhe vor den großen Veränderungen also war zuende.

Ich bin meiner Herkunft nach ein Drachanann, doch mein Aussehen sagt etwas anderes. Denn ich bin klein und schmächtig, wo ein Drachanann groß gewachsen und muskulös ist. Mein Haar, meine Haut und meine Augen sind dunkler als bei meinem Volk. Nicht, dass mich mein Clan mein Anderssein hat spüren lassen. Doch ich wusste in meinem inneren, dass ich nicht zum Hirten bestimmt bin und mein Clan kann sich ein anderes Leben denn als Hirte nicht vorstellen. Sie sind ein Volk des Tages, alles Leben findet am Tag statt. Die Nacht gehört den Räubern der Herden, den zweibeinigen und den vierbeinigen. Ich liebte am Hirtenleben allein die Nachtwachen, den Mond und den nahen Himmel in der Dunkelheit. Denn ich bin ein Kind der Nacht, der hohe Himmel des Tages und die offenen Weiden machen mir Angst.

Ich wäre sicher auch dann eines Tages aus der Welt der Hirten und Herden geflohen, wenn nicht Ssarin Beyann meinen Clan aufgesucht hätte, auf der Suche nach einem Schüler. Später erfuhr ich, dass die Druiden Myras gelegentlich die Siedlungen der Völker der Welt besuchen, um neue Mitglieder für ihren Orden gewinnen. An diesem Tage aber erschien mir die Begegnung mit ihm schicksalhaft und vorherbestimmt, als Antwort auf meine Eigenheiten.

Die Drachanann ließen mich fraglos mit ihm ziehen, fast, als hätten sie mit dem Auftauchen des Druiden gerechnet.

Ssarin Beyann lehrte mich drei Jahre lang als Mentor das Leben der Druiden. Er unterwies mich im Umgang mit Schleuder und Makeira, im Leben in der Wildnis, in der Magie des Kultes, in jahrhundertealten Lehren.

Meine Weihe zum Druiden bei den Steinen von Tobaran beendete diese Lehrzeit. Gleich meinem Mentors schloss auch ich mich der Schule der Totemdruiden an, die wissen, dass ihr Geist durch ein Tier repräsentiert wird. Ein Totem zu gewinnen begann ich meine drei Jahre in den wilden Höhen des Drachenkamms.

Das mein Totem ein Tier der Nacht ist wusste ich schon vor meiner Weihe, auch dass es ein Tier der Schluchten und Engen, der Labyrinthe und Dickichte ist war mir klar. Ich verbrachte viele Nächte in Felsspalten und zwischen den verflochtenen Stämmen der Bäume, mit Maus und Wiesel und Schlange. Doch all diese Tiere sprachen nicht zu mir.

Ich lernte die Eule kennen und ihr lautloser, nächtlicher Flug imponierte mir. Aber ihre Federn waren mir fremd, auch wenn ihr Hunger nach Fleisch sacht eine Saite in mir zum klingen brachte.

In dieser Zeit reifte ich zum Mann. Weiche, schwarze Haare zeigten sich auf meinen Körper und gaben mir ein dunkles Aussehen. Zugleich blieb meine Stimme hell. Beides waren Zeichen. Sie führten mich zur Fledermaus.

Ich kletterte nachts in die holen Bäume, wo die Fledermäuse nisteten. Ich hockte im Nachtwind auf exponierten Felsen und breitete meine Arme aus, während ich wünschte, sie würden zu ledrigen Schwingen werden. Ich schlief in hohen Bäumen, an den Füßen kopfüber hängend. Ich schliff meine Zähne spitz und ritzte die Haut der wilden Tiere um ihr Blut zu trinken. Allein, der tiefste Zugang zu meinem Totem würde sich mir nur in Todesgefahr öffnen.

Ich blieb im tiefen Winter in dunkler Höhle, mit dem Kopf nach unten von der Decke hängend, nichts anderes als Blut trinkend. In der Nacht der Wintersonnenwende, wenn das Jahr am dunkelsten ist kletterte ich auf eine Zeder, deren Äste waagerecht weit über eine Steilstufe ragten. Ich ließ mich vom äußersten Ast mit dem Kopf nach unten hängen. Zur Mitternacht ließ ich mich fallen.

Ich fiel nur wenige Sekunden. Meine Arme öffneten sich als Fledermausflügel, das Echo meiner schrillen Stimme zeigte meinen scharfen Ohren Berg und Wald, Wasser, Pflanze und Tier, deren warmes Blut meinen Hunger stillte. Ich hatte mein Totem gefunden.

In der Zeder baute ich später mein Heim, das jetzt in Trümmern neben mir liegt. Ich werde es nicht mehr benötigen. Ein Hüter war nach Kiombael gekommen und mit ihm Gefahr für Tier und Pflanze, Wasser, Wald und Berg.

Menschen würden kommen, dem Berg seine Schätze zu entreißen und Meiler, Öfen und Schlackenhalden voll Gift zurücklassen. Der Wald würde gefällt werden, um Kohle zu brennen und Schiffe zu bauen. Das Wasser würde in Kanäle gezwängt werden um Mühlen zu treiben und Äcker zu wässern. Die Pflanzen würden Städten und Straßen Raum geben müssen. Die Tiere würden gejagt werden. Der Hunger des Menschen ist ohne Maßen. So wissen es die Druiden.

Die Bewahrung der Welt jenseits des Menschen ist meine Aufgabe. Ich breche auf um zu dem Menschen zu gehen und zu lernen. Um meine Welt zu bewahren werde ich den Menschen besuchen um Freund und Feind, Verbündeten und Verräter kennen zu lernen.

Die jahrhundertealten Lehren der Druiden sprechen von Welten, in denen die Druiden den Kampf mit der Kultur des Menschen verloren haben und die zu öden Müllhalden wurden. Dieses Schicksal soll Myra nicht teilen. Zum Wohle des Menschen werde ich die Welt jenseits des Menschen erhalten.

Ich nahm Schleuder und Makeira. Ich schnürte mein Bündel und brach auf.