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Esima

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„Weder Aussehen noch Haarfarbe der hier anzutreffenden Esima unterscheiden sich wesentlich von denen, die Ihr aus Euren Gewässern so gut kennt. So tragen auch hier die unverheirateten Esima ihr Haar (das in dieser Weltgegend allerdings häufiger schwarz als rotblond ist) an Land offen, die Verheirateten aber in soviel Zöpfen, wie ihre Ehe schon Jahre andauert; auf See binden beide die Haare zu einem Knoten hoch, den sie unter einem bunten Kopftuch verstecken. Ihr Haut ist hell, aber wettergegerbt, wie bei Seefahrern nicht anders zu erwarten. Die Haarfarbe der Qassimoj dagegen reicht von einer dunkel-olivfarbenen Tönung über reines Schwarz und Kastanienbraun zu einer fast weißblonden Farbe, letzteres aber weitgehend auf die Familie der Skudoj beschränkt. Ihre Hautfabe variiert ebenso, vom bleichen Weiß der Skudoj zur Farbe feuchten Sands, wie sie bei vielen der Barkas zu sehen ist, ja ich sah einmal sogar einen Edlen, der kastanienbraunes Haar über einem ebensolchen Gesicht trug. Bei den geringeren Bürgern sind ebensolche Unterschiede zu finden; die Bewohner der Vorstädte gar, insbesondere der Hafenregion, stammen offensichtlich von den verschiedensten Völkern ab, auch von solchen, die ich auf meinen Reisen nie kennengelernt habe.“

Coldar von Tarena: Reisebericht aus Qassim 420

Die Esima oder Ezimoi sind ein meist nomadisch lebendes Seefahrervolk auf Karnicon.

Die meisten Esima verbringen ihr ganzes Leben auf See. Sie werden auf See geboren (einige Sippen pflegen sogar den Brauch, bei einer bevorstehenden Geburt den Hafen zu verlassen und auf die hohe See hinauszufahren), und sie werden auf See bestattet.

In vielen Häfen Karnicons sind ihre Schiffe gern gesehen, bringen sie doch Nachrichten und Reichtümer aus weit entfernten Ländern. Mancherorts allerdings werden allerdings auch Ressentiments gegen die "Vagabunden der Meere", die "Wucherer der See" - und was der Beinamen mehr sind - gepflegt und gehegt.

Die Esima haben keinen eigenen Staat, keine zentrale Obrigkeit. Ihre soziale Einheit ist die Sippe, bestehend aus einem bis zu einem Dutzend Familienschiffen. Oberhalb der Sippe stehen nur die Götter und die See (manchmal in Personalunion) als einzige Autoritäten. Dennoch unterwerfen sich die Esima bereitwillig den jeweiligen lokalen Gesetzen, solange diese nicht ihr "natürliches Recht" beschneiden, Handel zu betreiben und die Freiheit der See zu suchen, wann immer sie wollen. Da diese "Naturrechte" am besten zu bewahren sind, wenn einen die Obrigkeiten der "Landleute" gar nicht erst wahrnehmen, bemühen sich die Esima im allgemeinen, ihre Geschäfte möglichst unauffällig und zugleich sehr gesetzestreu abzuwickeln.

Die meisten Esima sehen in der Seefahrt den einzig wahren Sinn ihres Lebens, im Ziehen von Küste zu Küste, von See zu See, und der Handel ist das notwendige Übel, um dieses Leben zu finanzieren. Obgleich viele Esima durch den Fernhandel zu be­schei­de­nem Wohlstand kommen, investieren sie diesen doch zum über­wiegenden Teil in ihr Schiff - ihr Heim -, gelegentlich auch in ein neues Schiff für die überzähligen "Junioren". Neue Schiffe lassen sie meist in ab­gelegenen Werften, vielleicht in einem von der Sippe selbst (mit-)ge­grün­deten Handelsstützpunkt, nach traditionellen Mustern bauen, die von Region zu Region bzw. von Sip­pen­verband zu Sippenverband leichte Unter­schiede aufweisen. Seltener kaufen sie auch fremde Schiffstypen und passen sie den eigenen Bedürfnissen an.

Gelegentlich bleiben einige Esima in den Häfen zurück, einige von ihren Schiffen verstossen, andere, die sich opfern, um die Geschäfte ihrer Sippe an dieser Küste abzusichern. Hin und wieder begeistert sich auch einer für den Schiffbau und macht eine Lehre als Schiffszimmermann. Doch fast immer wird ihr Heimweh nach der See ständig wachsen, immer werden sie auf ein Schiff hoffen, das sie mitnimmt.

Dort, wo sich ihre Routen kreuzen, es aber keinen Hafen gibt, der ihre Schiffe aufnehmen könnte, um die notwendigen Reparaturen vorzunehmen und gelegentlich Waren auszutauschen, gründen einzelne Sippen hin und wieder eigene Stützpunkte, meist in natürlichen, geschützten Buchten. Doch nur selten siedeln sich dort Esima dauerhaft an. Meist werben die Gründer andernorts befähigte Handwerker an, die an ihrem Heimatort aus irgendwelchen Gründen keine Chance haben, je ihre eigene Werkstatt zu gründen. So manche kleine Küstenstadt ist schon aus solchen Anfängen entstanden, doch nicht jede solche Ansiedlung hat auf Dauer eine Überlebenschance. Auch wenn eine Siedlung floriert, immer bleibt sie abhängig von der Entwicklung des Handelserfolgs der Esima.

So kamen viele der ersten Siedler von Qas Esim aus Qaschapah, einem sagenhaften Hafen der Esima, der heute mehr auf keiner Landkarte zu finden ist. Regionale Kriege hatten damals den Handel dieses blühenden Inselhafens zusammenbrechen lassen, so berichtet jedenfalls die Legende, und als Gerüchte über sich nähernde Flotten auftauchten, flohen die meisten Einwohner Hals oder Kopf. Als einige Schiffe der Esima ein Jahr später zurückkehrten, fanden sie nur noch leere Ruinen, verbrannte Schiffwracks versperrten den Hafen. Der Ort wurde aus den Seekarten der Sippen gelöscht.

Eine andere Legende der Esima besagt, dass ihre Vorfahren einst über die Segmentsgrenze gekommen seien, aus einem Land, dessen Name in der Vergangenheit verloren ist. Die einzelnen Sippen geben zum Teil recht unterschiedliche Versionen dieser Legende an ihre Kinder weiter. Eine sehr beliebte Version behauptet, die Esima seien einst zur Erforschung neuer Handelsrouten ausgeschickt worden, doch hätten sie nach Überquerung der Segmentsgrenze den Weg zurück nicht mehr gefunden. Aber eines Tages, so sei es prophezeit, werde eines ihrer Schiffe den Weg zurückfinden und mit dem Reichtum ungezählter Schiffe belohnt werden. Eine andere Version lautet, doch, anfangs habe man noch Handel über die Segmentsgrenze betrieben. Doch seien die Daheimgebliebenen, die Schafaglui (ein häufig als Schimpfwort gebrauchtes Wort, dessen genaue Bedeutung aber nicht ganz klar ist), immer unverschämter in ihren Forderungen geworden, hätten aus der Ferne über die Wege der Esima bestimmen wollen und immer höhere Steuern gefordert. Schliesslich hätten sich die mutigen Sippen von ihnen losgesagt und die alten Seekarten, auf denen die Routen über die Segmentsgrenze verzeichnet waren, in der See versenkt.

Die dritte Version schliesslich - die jedoch immer weniger Anhänger findet - lautet, schon in der alten Heimat, einer fruchtbaren Insel mit dem sagenhaften Name Isimar (auch andere Namen werden gelegentlich genannt), seien die Esima Händler und Seefahrer gewesen. Unterjocht von übermächtigen Nachbarn und schliesslich mit Krieg überzogen, seien sie geflohen, bis sie endlich die freundlicheren Meere von Karnicon erreichten, um dort eine neue Heimat zu gründen. Doch unterwegs habe sich das Volk verändert. Geweiht und gezeichnet von den Göttern der See konnten sie sich nicht mehr an ein Leben auf festem, unbeweglichem Boden gewöhnen, nicht mehr auf die Weite der See, den Anblick ständig neuer Küsten, das Wiegen der Wellen verzichten. So seien die neuen Siedlungen nie mehr zum Glanz der alten Heimat aufgestiegen, die meisten bald wieder untergegangen, doch dafür habe das Volk viel mehr gewonnen, die Freiheit der Meere, den Ruhm und die Freude des Sturmreiters, die Reinheit der Schiffe - die einzig menschenwürdige Lebensweise.

Auffallend ist, dass sich die Esima im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingsgruppen oder versprengten Nomadensippen nicht assimilieren lassen. Obwohl sie keine gemeinsame Organisation haben, keine weltliche oder religiöse Obrigkeit, bewahren sie doch ihre gemeinsamen Traditionen, ihre eigentümliche Lebensart, und auch ihre "Alte Sprache", das "Esimin". Allerdings verwenden sie diese eigentlich nur noch für rituelle Zwecke, Schimpfworte und gewisse Ausdrücke, die der Adressat oder auch ein zufälliger Zuhörer nicht unbedingt verstehen sollte, könnte dies doch den Geschäften schaden. Dementsprechend erhält auch kein Aussen­stehender die Chance, Esimin zu lernen. Ein Esima, der dieses Tabu - eines der wenigen wirklich absoluten der Esima-Tradition - überschreiten würde, würde vom Rest des Volkes zumindest geächtet und müsste sich sicher den Rest seines Lebens vor "Unfällen" hüten. (Dennoch ist in der Vergangenheit die Bedeutung so manchen Begriffs "durchgesickert", doch innerhalb kürzester Zeit wurde dieser Begriff dann von keinem Esima auf ganz Karnikon mehr verwendet. Aufmerksame Beobachter registrierten allerdings regelmässig in den darauffolgenden Jahren eine merkwürdige Mehrung der von den Esima verwendeten "alten" Begriffe.)
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