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Das große Graben - (Cyrianor 424 n.P.)

Ein Grollen ging durch den Bau, gefolgt von einem Wummern, einem Krachen und dann einem Brummen. Die Erde erzitterte. Schließlich, langsam aber stetig, kam das Brummen und Krachen näher und das Zittern ging in ein Beben über. Staub und Erdreich flogen aus der Gangöffnung in die Halle, doch die Arbeiter störten sich wenig an den kopfgroßen Brocken, die um sie herumflogen, und gingen pflichtbewußt weiter ihren Aufgaben nach. Der Lärm war nun ohrenbetäubend und einige Arbeiter hatten Mühe, auf ihren Beinen zu bleiben und nicht ihre Last zu verlieren. Die Erdbrocken flogen mit immer größerer Geschwindigkeit aus dem Gang heraus und trafen den einen oder anderen Arbeiter frontal mit voller Wucht. Benommen blieben sie liegen, manche rappelten sich wieder auf, nahmen ihre Last auf und verliessen geschwind die Halle. Bis auf wenige Arbeiter war die Höhle jetzt verlassen, die Zurückgebliebenen waren entweder nicht funktionsfähig oder nicht geistesgegenwärtig zu fliehen.

Dann brach der Graber in die Halle durch. Zuerst erschienen seine riesigen Grabklauen in einer Wolke aus Sand, Steinen und Erde; Klauen, in denen Verdauer bequem Platz hätten. Wild wirbelten die Klauen umher, schoben Erdreich beiseite mit nicht mehr Mühe, als eine Amme eine Puppe trägt. Die zurückgeliebenen Arbeiter wurden einfach mit dem Erdreich untergegraben. Der Graber begann, die Halle zu vergrößern.

Die Grabklauen saßen an einem gewaltigen runden Körper, dessen Thorax- und Abdominalsegmente käferartig zu einem einzigen Segment verschmolzen waren. Zwei weitere kurze, aber kräftige Beinpaare bewegten den Koloß langsam und stetig vorwärts. Hoch oben vor dem Körper zeugte ein langer, weiter Rüssel von der Präsenz des Kopfes, von dem ansonsten nicht viel zu sehen war. Der Rüssel saugte mit unermeßlicher Kraft das fallende Erdreich und die Steinbrocken auf, die die Klauen des Grabers losschlugen.

Tief im Inneren des Grabers, in seinem ausgiebigen Verdauungstrakt, wurden alle größeren Brocken gleichmäßig zu feinem Sand zermahlen, Verdauungssekrete zugesetzt, bis eine zähflüssige Masse entstand, die an seinem anderen Ende wieder ausgeschieden wurde. Dem Graber folgte eine Gruppe von Klebern, kleinen, wendigen Insekten mit breiten Vorderklauen, die die Ausscheidung des Grabers sammelten und damit den neu gegrabenen Gang auskleideten. Nach einem Zyklus wäre die Masse durchgetrocknet und zu einer extrem harten Substanz ausgehärtet, die selbst Graber Mühe hätten, zu zerstören. Auf diese Weise würden die neuen Gänge, Höhlen und Hallen vor dem Einsturz bewahrt.

Der Graber hatte die Halle mittlerweile bis auf das Doppelte ihrer vorherigen Größe verbreitert und stach nun einen Schacht nach oben an. Er richtete sich auf seine Hinterbeine auf, und seine Klauen brachen die Decke der Höhle los und regneten Erdreich auf den Bautrupp herab. Der Schacht würde die Breite zweier Graberklauen haben. Schon stürmten Kleber hinterher, um den Schacht zu befestigen. Nach einer Weile schien der Graber befriedigt mit seiner Arbeit an dem neuen Schacht und ließ sich wieder auf alle Beinpaare herab. Seine Aufmerksamkeit galt nun dem Ausschachten einer runden Öffnung in der Höhlenwand neben dem neuen Schacht. Tief trieb er seine Klauen in die Wand hinein, bis eine neue, ovale Höhle geschaffen war. Die Kleber sammelten alle Grabersekrete auf, doch betraten sie nicht die neue Höhle.

Der Graber begutachtete scheinbar nochmals alles, was er hier geleistet hatte, dann brach er in einen weiteren Gang auf, auch diesen verbreiternd, auf daß die Armeen N'Tliks schneller durch den Bau ziehen könnten. Ein paar wenige Kleber blieben zurück, wartend. Das Getöse verstummte.
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