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Dämonenbeschwörung

Der Vortrag des purpurnen Tintenfisches, des Aalrha Tlonrha Shanrha Avrah, das, wie ich später erfuhr, Herrscher und Lordmagier des Reiches Aalrhan auf dem Kontinent Tebreh ist, beeindruckte einige Besucher, neben denen ich Platz gefunden hatte, tief. Es waren fünf Orks, ein Zauberer namens Ganor mit drei Dienern und einem Schüler, den er Goischekk rief. Ich hörte sie aufgeregt über das Gesagte tuscheln.

In dem Schüler glaubte ich einen verwandten Geist zu entdecken, er schien nur wenig älter zu sein als ich. In den Ausführungen des Lordmagiers und in einigen Passagen des Vortrages von Vallö Kalundgrag meinte er eine Möglichkeit entdeckt zu haben, den Schädel eines Urahnen zu bergen, eines Schamanen, den die Geistern bei einem Ritual verschleppt hatten. Es lag ihm sehr viel daran, diesen Schädel zum Ehrenplatz auf dem Gebeinfeld seines Volkes zu bringen, und obwohl sein Lehrer lange abwehrte und auf bedachtes Vorgehen drängte, zog der Schüler ihn schließlich in einer Vortragspause in die Nische, wo das Aalrha unbequem auf einem Stuhl hockte, der seiner Körperform nicht gerecht wurde.

Ich ließ die gelangweilten Diener sitzen und folgte den beiden. Hinter einer Säule konnte ich das Gespräch zwischen den zwei Orks und dem fremden Wesen verfolgen.

Der Lordmagier behandelte die beiden mit Herablassung. Goischekk war darüber sehr erbost und verlangte Ehrerbietung für einen Häuptlingssohn. Erst eine komplizierte Bewegung mit einem Tentakel und ein Kopfnicken des Aalrha schienen den Jungen leidlich zu versöhnen. Er holte unter seinem Wams ein Beutelchen hervor und zeigte es dem fremdartigen Wesen, während sein Lehrer erschrocken aufstöhnte. Doch mit den Worten:”Ich bin der Sohn Deines Häuptlings und Du nur sein Zauberer” wurde der Ältere vom Schüler zurechtgestoßen. Goischeckk öffnete dann den Beutel und das Aalrha steckte die Spitze eines Tentakels hinein. Daran blieben feine, leuchtend gelbe Fädchen hängen, Safran, und der Reaktion von Tlonrha Shanrha Avrah nach von einer Qualität, die einen Lordmagier in Entzücken versetzen konnte. Es wurden noch einige Sätze getuschelt, Der alte Orkzauberer versuchte zu protestieren, Goischekk fuhr ihm über dem Mund, das Aalrha reichte ihm einen purpurnen Fangarm, der junge Ork schlug ein, das Beutelchen Safran wechselte den Besitzer und beide machte aus, sich eine Stunde nach Sonnenuntergang an der Kehre des Weges nach Belfalas zu treffen. Ich entschied mich, ihr Vorhaben zu beobachten. Wenn sie einen Dämon beschwören würden, so versprach dies Spannung.

Am Abend ging der Zirkelmagier Aaron Qinn, dem zu dienen ich die Ehre hatte, früh zu Bett. Er litt unter heftiger Müdigkeit, die er auf die anstrengende Diskussionen im Kollegenkreis und ich auf den schweren Rotwein, der dabei getrunken wurde, zurückführte. So schlich ich mich also zur Dämmerung aus der Akademie und versteckte mich im Dickicht bei der Wegkehre. Bald kamen auch die Orks, Goischekk, der Zauberer Ganor, der sich wohl den Wünschen seines Zöglings hatte fügen müssen, und ein Diener mit einem Rucksack. Sehr viel später kam auch das Aalrha, eine Gürteltasche tragend. Der Diener entzündete eine Laterne und die Gruppe schlug einen Seitenpfad ein.

Ich folgte ihnen zu einer der ausgewaschenen Rinnen, die sich den Hang oberhalb der Akademie hochziehen. Gedeckt durch einen Ginsterstrauch verfolgte ich ihr Tun.

Tlonrha Shanrha Avrah befahl dem Diener, eine kreisrunde Fläche von Gras und Unkraut zu befreien und mit Sand zu bestreuen. Ungeduldig half ihm der Schüler, während sein Lehrer ihm aufs neue Vorhaltungen machte und das Aalrha einige Pistazienkerne aus seiner Tasche knackte. Endlich verlor Goischekk die Geduld und befahl ihm zu schweigen.

Dann war der Ort bereitet. Der Lordmagier holte einen schlichten Holzstab aus seiner Tasche und zog einige Linien, die ich nicht recht erkennen konnte, in den Sand. Ganor und Goischekk wies er an, den Diener zu fesseln. Als der sich wehrte, betäubte Goischekk ihm mit einem harten Faustschlag. Das Aalrha lehrte dem jungen Ork einen Gesang und drückte ihm noch mit einigen gemurmelten Worten die Pistazienschalen in die Hand. Dann verschwand es den Pfad hinab.

Goischekk stellte sich über dem gefesselten Diener in Positur und begann zu singen. Immer wieder rief er :”Wohol disheb ab Nirhhenbahgut Elih!” Zunächst geschah nichts und ich war nahe dran, einzunicken. Ein leises Wispern ließ mich aufschrecken. Goischekk hatte ebenfalls etwas bemerkt. Sein heiserer Singsang verstummte und mit einer raschen Bewegung warf er die Schalen auf seinen Diener. Ein Licht blakte auf. Ich dachte erst, die Laterne sei umgefallen. Aber das dumpfe, orange Glühen ging von einer Stelle zu Füßen Goischekks aus, wo der Diener lag. Gelegen hatte. Noch lag. Sein Körper war noch da, doch der Kopf verschwunden. Ersetzt von einem dämonischen Licht.

Ganor sprang hinzu, mit erschrockenem Ruf. Der junge Ork wies ihn zurück. Richtete den Körper des Wesens auf. Sprach mit der glimmenden Kugel:”Gib mir den Schädel meines Vaters.” Mit mißtönender Stimme antwortete der Dämon:”Bin schwach, mehr als einen Zahn kann ich nicht tragen.” Das leuchtende Rund spuckte etwas in die Hand des Häuptlingssohnes. Ich sah gegen die helle Kreatur, wie Goischekk etwas auffing, mit der rechten hochhielt. Einen großen Backenzahn. Dann schräpte das Ding auf dem Leib des Dieners:”Will Dir aber noch einen Sang lehren, meinen Herrn zu bitten, Dir zu bringen, was begehrst. Hör nun gut zu.” Der Körper beugte sich vor, die glosende Kugel berührte den Kopf des Beschwörers. Ich hörte Töne, die ich nicht wiedergeben mag. Dann war das Ding plötzlich weg. Schwer stürzte die Leiche des Dieners beiseite.

Ganor, riet seinem Schüler, Vernunft anzunehmen, warnte vor der Falschheit der Dämonen, bat um Vorsicht. Doch Goischekk lachte über seine Rede, sagte, sein Vater selbst wolle den Schädel des Urahnen, befahl ihm schließlich, fortzugehen. Noch einmal begehrte der alte Lehrer auf, doch Goischekk sah ihn in einer Art an, daß er fortgehen mußte. Dann hub er an, ein zweites Mal zu singen, grausige Silben, die ihm das Wesen geflüstert hatte. Da floh ich auch.

Ich rannte davon, vorbei an Ganor, der bedrückt vor sich hinmurmelte, zur Kehre, hinauf zur Akademie. Vor dem Tor fand ich einige Weise, die ein süßes Kraut rauchten. An ihnen vorbei drückte ich mich in den Bau. Ich lief über den Innenhof, fand die Stiege, die zu den Räumen von Magister Kalundgrag führt. Der hatte in seiner Rede von einem Zauber gesprochen, der die Dämonen vertreibt. Ich stieß seine Tür auf, fand ihn nackt, gerade seine Abendtoilette besorgend.

Ich sagte ihm was geschehen war und was der tolle Goischekk beabsichtigte. Vallö Kalundgrag hörte zu, während er sich schon gürtete, schlüpfte in seine Stiefel und hieß mich voranzugehen. Durchs Tor, zur Kehre, den Pfad hinauf hetzten wir, wo wir einen entsetzt wimmernder Ganor trafen, der auf die Lichtung deutete.

Dort war ein unheiliges Licht aus dem Boden geschlagen, beleuchtete die kopflose Leiche des Dieners und Goischekk, der mit in den Nacken gelegtem Kopf, vorstehenden Halssehnen und verzehrten Gesicht auf das Leuchten zuschritt.

Im Lichte schwebend sah ich einen massigen, orkischen Schädel mit vorspringenden Hauern, ein Backenzahn fehlte. Gerade griff Goischekk danach. Doch da war auch ein reichverzierter, armlanger Stab, daran ein Band, mein Name draufgestickt, mein Magierstab und dieser geifernde, stinkende Ork will ihn sich auch noch schnappen. Ich springe hinzu. Eine zupackende Hand verfehlt mich. Daneben, dummer Kalundgrag. Gleich hab ich meinen Stab. Sehe mich schon mit Hut und Robe auf dem Podium, umgeben von ehrfurchtsvoll lauschenden Kollegen. Dieser Goischekk ist vor mir im Licht, löst sich schon mit Schädel und Stab im Gleissen auf.

Da fliegt etwas an mir vorbei, ein Ring aus Metall, fällt zu Boden. Ein Nichtlicht explodiert heraus und verschlingt das Grün. Verschlingt meinen Stab. Die zupackende Hand Goischekks. Seine rechte Seite. Meine Fingerspitzen. Verschwindet.

Endlich bringt ein plötzlicher Schmerz in meiner rechten Hand mich zur Vernunft. Ich liege auf dem Rücken, war wohl kurz bewußtlos, Vallö Kalundgrag beugt sich über mich. Neben mir höre ich Goischekk stöhnen. Ich sehe auf meine rechte Hand. Die Spitzen meiner Finger sind mit den Nägeln glatt abgeschnitten. Der Magister sieht, daß ich mich erhole und wendet sich dem jungen Goischekk zu. Dessen rechter Arm ist verschwunden, seine rechte Seite eine einzige Wunde. Beide Zauberer sprechen heilende Worte. Der alte Ganor geht, Helfer mit einer Trage zu holen. Magister Kalundgrag fragt mich, ob ich mich an die Worte der zweiten Beschwörung erinnere. Dabei blickt er mich fest an. Dann geht hinüber zu dem jungen Ork und sieht ihm ebenfalls in die Augen. Währenddessen versuche ich mich zu erinnern, doch da ist nichts mehr. Das sage ich ihm auch. Der Magister nickt befriedigt. Sein “Kontinuumssog”, erklärt er, habe den grün flammenden Dämon der Gier vertrieben. Und zumindest wir sollen das Ritual, welches ihn rief, vergessen.

Ich habe die Worte vergessen, die die glosende, blakende Kugel auf dem Körper des Dieners Goischekk ins Ohr flüsterte und ich kenne inzwischen die Gefahren, die schon der Ruf dieses minderen Dämons birgt. Doch gelegentlich, besonders wenn ich erschöpft am Abend eines langen Tages, den ich mit anstrengenden Übungen verbracht habe, die dicken Bücher sehe, angefüllt mit dem Wissen, welches ich noch zu erlernen habe, erinnere ich mich an das grüne Glühen, mit dem Stab und dem Versprechen vom schnellen Erfolg. Halb erinnere ich mich des Namens eines Dämons, Borbusjak, Brahbusjiik?

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