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CRUSENRIFF – Es liegt in einem entlegenen Teil des Rifflandes, abseits der Hauptströmung, in einem Gewölbe mit steilen, senkrechten bis überhängenden Felswänden. Eine schwache Strömung sorgt für eine gute Zirkulation und Ventilation der Luft, so daß Niederschläge giftiger Luft und sauren Wassers selten sind. Die Nebenströmung sorgt auch dafür, daß pflanzliches und tierisches Plankton in reichem Maße und auch anderes Treibgut angeschwemmt werden. So sind geradezu ideale Lebensbedingungen für die Crusen entstanden. Crusen sind zu den Weichtieren zu zählen, austernähnliche Riesenmuscheln, die bis zu vierhundert Schritt groß werden können. Sie leben in Kolonien und sind untereinander durch Lebensstränge verbunden. Das größte Tier einer solchen Kolonie gilt als Königscruse, von der alle anderen abhängig sind; stirbt die Königscruse, dann bedeutet das in der Regel den Tod der gesamten Kolonie.

Crusen besitzen flache Schalen, sind zweiklappig und haben kräftige Schließmuskeln, so daß sie in geschlossenem Zustand schier unverwundbar sind. Ihr Lebensnerv sitzt an der Rückseite und ist mit dem Strang verwachsen, der alle Crusen einer Kolonie miteinander verbindet. Sie öffnen sich nur zur Nahrungsaufnahme oder zur Paarungszeit und sind in diesem Zustand zwar verwundbarer, aber dennoch nicht so wehrlos wie die meisten anderen Muschelarten. Sie sind Strudler, das heißt, sie erzeugen mit ihren Tentakeln einen starken Wirbel, durch den die Beute an das rüsselartige Saugorgan herangeführt wird. Größere Beutestücke werden nicht durch den Saugrüssel verschluckt, sondern mit den Tentakeln festgehalten und unter geschlossenen Schalen verdaut. Ist die Beute unverdaulich, wird sie durch perlmuttartige Absonderung isoliert, wird abgestoßen oder lagert sich ab. Beutestücke, die nicht unter geschlossener Schale verdaut werden können, werden in geöffnetem Zustand mit den Tentakeln festgehalten, durch Magensäfte – und nicht selten in Gemeinschaft mehrerer benachbarter Crusen – zersetzt und durch Kraftakte der Fangarme zerteilt.

Am C. hat sich aber auch eine Lebensgemeinschaft anderer Art gebildet, gefördert durch gewisse Eigenheiten und Eigenschaften der Crusen. Ihre großen, festen Schalen, die sich durch beständige Perlmuttabsonderung unglaublich rasch verdicken, bieten den Bewohnern der Schattenzone guten Schutz. Es sind in der Mehrzahl gestrandete Menschen, aber auch andere vernunftbegabte Geschöpfe und ’Mischwesen, die sich auf den Crusen niedergelassen haben und in die Schalenablagerungen ihre Behausungen eingebettet haben oder sie von den Crusen »bauen« ließen; manche errichteten Stützgerüste, um die die Schalen Schicht um Schicht wuchsen.

Die Crusenbewohner bezeichnen sich als »Fallensteller«, doch sind sie eher Schmarotzer (und nur mit einigem Wohlwollen als Symbionten zu bezeichnen), die von den Crusen partizipieren: sie jagen ihnen einen Teil der genießbaren Beute ab, aber nie so viel, daß die Crusen selbst nicht genug bekämen; sie durchstöbern das Strandgut, das die Crusen heranfächeln, nach verwertbaren Gütern und suchen sich die besten Stücke heraus; und schließlich sammeln sie den unverdaulichen Ausstoß der Crusen und verwerten das Perlmutt für Gebrauchsgegenstände und Waffen und Schmuck.

Es haben sich verschiedene Gruppen unter den Crusenbewohnern gebildet, die miteinander im Wettstreit liegen und sich gegenseitig die Beutestücke abjagen, einander die Fallen plündern und miteinander um die Führungsposition streiten. Aber alle diese Auseinandersetzungen verlaufen nicht blutig, und sie gehen nie so weit, daß dadurch die Existenz der Crusenkolonie gefährdet wäre. Man weiß, daß die Crusen die Grundlage der Existenz sind, und man lebt allgemein recht gut von dem, was von den Riesenmuscheln abfällt oder was man ihnen abjagt. Und wenn den Crusen eine Gefahr droht, wie im vorliegenden Fall durch die Giftwolke, mit der die Shrouks ins C. vordringen, dann sind alle Streitigkeiten vergessen, und man kämpft gemeinsam gegen den Feind von außen.

Die Crusenbewohner haben ihr Leben völlig auf die Riesenmuscheln abgestimmt, und es hat sich eine recht eigenwillige und eigenständige Kultur gebildet. Man hat die Crusen sozusagen »domestiziert«. Es gibt sogar besonders spezialisierte Crusen, so da sind: die »Schmuckcrusen«, in die man winzige und vorgeformte Fremdkörper einlegt, woraufhin durch Perlmuttablagerungen die gewünschten Schmuckstücke entstehen, oder die »Töpfer-« oder die »Waffencrusen«, in denen das Gewünschte auf die gleiche Weise geformt wird. Und es gibt eine eigene »Bestattungscruse«, in der die Verstorbenen beigesetzt werden.

Das Crusenriff – das erfahren Mythor und seine Gefährten, als sie mit Carlumen nach hier verschlagen werden – ist einer der wenigen Orte in der Schattenzone, wo es sich einigermaßen angenehm leben läßt.

Mythor-Fundort: 120
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