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Aus einem Reisebericht:

Allmählich wird die Oberkante der Klippen der Ruika-Berge im Ophis nun wieder sichtbar. Harter blauer Sandstein löst den Granit ab – so selten und wertvoll, dass er bei uns in Draskon nur für Verzierungen an Prunkbauten verwendet wird. Wir kommen an einem Steinbruch vorbei, und ich sehe, weshalb dieser Stein so teuer ist: Da zwischen Fels und Fluß kein Fußbreit Platz ist, arbeiten sie von gewaltigen, im Strom schwimmenden Plattformen aus, mit Ketten an die steile Klippenwand gefesselt. In den Fels gestemmte Kräne und Flaschenzüge lassen die herausgelösten Platten langsam auf Transportflöße hinunter, die mit den Plattformen vertäut sind. Keine der Steinplatten hat mehr als Mannsgröße im Quadrat, da ihr Gewicht von den Kränen sonst nicht mehr zu halten wäre. Die Hütten der Arbeiter stehen auf der anderen Seite des Flußes, umgeben von einigen Gärten, aus denen sie sich während des Sommers ernähren. Im Winter aber kehrten sie wie die Holzfäller aus dem Waldtal zu ihren Familien zurück, berichtet mir mein Führer, dann lägen die Steinbrüche verlassen, da der Wasserstand dann zu niedrig sei, den Stein zu brechen und abzutransportieren.
Im Schatten der Blauen Klippen brach der Abend schon früh herein. Bei einem kleineren Arbeiterlager auf der Machairas-Seite des Ruiji machten wir fest. Auch hier war unsere Ankunft ein Ereignis; der Tisch war jedoch weniger reichhaltig gedeckt und die Gastgeber staubiger als vor zwei Tagen im Holzfällerlager. Dafür begann das Fest früher, da es auch früher enden sollte. »Was wir morgens nicht schaffen, schaffen wir den ganzen Tag nicht. Im Fels wird es einem schnell warm, auch wenn die Mittagssonne hier nur Schatten wirft«, verkündete der Lagermeister.
Ein großes Lagerfeuer wurde in einer bereits dafür vorbereiteten Grube entzündet, darum im Halbkreis Tische und Bänke aufgestellt. Erst als die erste Ladung aus im Ganzen gebratenen Speckschwarten und den in den Oklis-Ebenen sehr beliebten gebackenen Krumbirren – einer Art besonders haltbaren Wurzelgemüses – auf dem Tisch stand, fiel mir auf, dass diese Sitzordnung dafür sorgte, dass alle der in wunderschönem Rot untergehenden Sonne den Rücken zugekehrt hatten. Das erschien mir zwar etwas eigenartig, ich dachte aber nicht weiter darüber nach.
Schließlich erstarb das letzte dunkle Rot des Himmels und wurde vom Orange und Blau des lodernden Feuers vor mir ersetzt.